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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 134

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 134 (sequence 11)
Language
German
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134 wenn sie den Menschen nicht abermals in jene Jrrgänge unwillkürlich mit sich fortreißen, wenn der grillenhafte Idealist, der gefährliche SkepLizist und der kühne Dogmatist gutwillig einräumen sollen, daß sie gefehlt haben. Darauf lehrt nun dieser Weltweise, daß, wenn Gott uns nicht die Gnade erzeigt hätte, sein Dasein uns zu offenbaren, wir es nie durch Schlüffe unserer schwachen Vernunft bis zur völligen Gewißheit herausbringen könnten; lehrt, daß wir durch die von dem ewigen Wesen uns verliehene Vernunft den Allfchöpfer als den heiligen Gesetzgeber der Moralität betrachten müssen; lehrt, daß die Tugend des Menschen sich nicht auf Furcht vor Strafe oder Hoffnung zur Belohnung, sondern auf den Gedanken gründen müsse, daß er dadurch in den Augen des Allwissenden der Glückseligkeit würdig werde; lehrt, daß diese Glückseligkeit nur durch eine ewige Fortdauer des Menschen erreicht werden könne; und endlich, daß selbst das Gefühl des Erhabenen nur dann uns mit Wohlgefallen erfüllen könne, wenn der Gedanke an Gott und Unsterblichkeit dies Gefühl belebt. Wie heilsam für Religion und Staat sind diese Lehren, wie wohltätig sür den Denker!" Der Kantischen Philosophie unverbrüchlich treu, wandte er sich später von Kants Nachfolgern ab, weil er mit ihnen nicht in allen Punkten übereinstimmte, und pflegte hauptsächlich hebräisch - archäologische Forschungen. 1802 wurde ihm die Auszeichnung zuteil, daß die Berliner Akademie der Wissenschaften seine philosophische Schrift: „Ueber den Ursprung unserer Erkenntnis" mit einem Preise krönte. Ein echter und rechter Kantianer war er wie kaum ein Zweiter, was er auch durch eine Vignette symbolisch ausdrückte, die sich unter dem Bildnis des Verfassers in den gesammelten Werken vorfindet. Wir erblicken dort den Baum der Erkenntnis mit der Schlange umwunden in einer Ebene stehend; der Forscher hält mit dem Graben nach der Wurzel und dem Ursprung dieses Wunderbaumes eine zeitlang inne, um, nachdenkend, über den Ursprung der menschlichen Erkenntnis nachzuspüren und sucht, da er ihn gefunden zu haben glaubt, durch Hinweis auf das Herz, darauf hinzudeuten, daß alle Erkenntnis nur durch die Anwendung auf Moral und Besserung des Herzens ihren Wert bekomme.

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