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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 131

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 131 (sequence 8)
Language
German
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131 Ansprüche beizumessen und daraus Gelegenheit zum boshaften Tadel zu ziehen." Das innige Freundschaftsverhältnis, welches zwischen dem Meister und Jünger so viele Jahrzehnte hindurch bestand, legt nicht allein von den hohen Gaben des Geistes, sondern auch von denen des Gemüts, die beiden eigen waren, ein schönes und rührendes Zeugnis ab. Einer der eifrigsten und überzeugtesten Kantianer, der sich zugleich große Verdienste um die Popularisierung der Kantischen Philosophie erworben hat, war der geistreiche Philosoph und Mathematiker Lazarus Bendavid, geboren 18. Oktober 1762 in Berlin und gestorben daselbst 1832. Aus Begeisterung für das System und die Lehren des von ihm schwärmerisch verehrten Meisters siedelte er nach Wien über, um dort Jünger für dieselben zu werben. Seine Vorlesungen, von Hunderten von Zuhörern aus allen Kreisen und Ständen besucht, fanden außerordentlichen Anklang und zündeten so gewaltig, daß die reaktionäre Regierung sich vor dem Geist der Aufklärung, der sich in den beredten Ausführungen von Bendavid bekundete, fürchtete und deshalb die Vorlesungen verbot, sodaß es Bendavid für geraten hielt, den Wiener Staub von seinen Füßen zu schütteln und 1797 wieder nach Berlin zurückkehrte. Dieser Kantianer war übrigens der erste, dem in Wien von dem damaligen Polizeipräsidenten, Grafen v. Saurau die bis dahin noch nie einem Ausländer erteilte Erlaubnis gegeben wurde, öffentliche Vorlesungen halten zu dürfen. In der Selbstbiographie, die Lazarus Bendavid in den „Bildnissen jetzt lebender Berliner Gelehrten" (Berlin 1806) veröffentlicht, führt er das polizeiliche Verbot seiner Vorträge über die „Kritik der reinen Vernunft" allerdings auf die Ränke seiner Feinde zurück, indem er u. a. (Seite 64 ff) sagt: „Ich hatte ein bedeutendes Auditorium: aber eben das erregte den Neid gewisser Menschen, deren Machinationen, wie geheim sie auch solche angelegt zu haben glaubten, mir doch bekannt waren. Unter dem Vorwände, die kritische Philosophie wäre schädlich, wurde es mir verboten, meine Vorlesungen öffentlich zu halten. Soweit konnten es aber diese Menschen, wie sie es gern wollten, nicht bringen, daß mir auch der Privatunterricht und der 9*

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