Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 7)
- Language
- German
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130 vom 25. Dezember 1797, dessen charakteristischen Wortlaut wir hier folgen lassen: „Verehrungswürdiger Lehrer! Der große, allen bekannte Merckel verlangt dem großen alles kennenden Kant durch mich, den so wenig bekannten und so wenig kennenden Herz, empfohlen zu sein, und ich würde mit der Befriedigung dieses überflüssigen Verlangens großen Anstand genommen haben, wenn sie nicht zugleich eine so gewünschte Veranlassung wäre, meinen Namen wieder einmal in dem Andenken meines unvergeßlichen Lehrers und Freundes aufzufrischen, und ihm wieder einmal zu sagen, welche Seligkeit die Erinnerung an die ersten Jahre meiner Bildung unter seiner Leitung noch immer über mein ganzes Wesen verbreitet, und wie brennend mein Wunsch ist. Sie in diesem Leben noch einmal an mein Herz zu drücken! Warum bin ich nicht ein großer Geburtshelfer, Staarstecher oder Krebsheiler, der einmal über Königsberg zu einem vornehmen Russen gerufen wird? — Ach, ich habe leider nichts in der Welt gelernt! Die wenige Geschicklichkeit, die ich besitze, ist auf jedem Dorfe in Kamtschatka zehnfach zu haben, und darum muß ich in dem Berlin versauern und auf das Glück, Sie, ehe einer von uns die Erde verläßt, noch zu sehen, auf immer resignieren! Um so stärkender ist mir dafür jede kleine Nachricht von Ihnen aus dem Munde eines Reisenden, jeder Gruß, den ich aus den Briefen eines Freundes von Ihnen erhalte. Laben Sie mich doch öfter mit diesen. Erquickungen und erhalten mir noch lange Ihre Gesundheit und Freundschaft Ihr ergebenster Markus Herz." Der also Gefeierte verwahrte sich freilich oft gegen den in seinen Augen übertriebenen Freundschafts - Kultus seines Zöglings. Zugleich spricht sich in diesen abwehrenden Briefen Kants seine ganze, in ihrer Art einzig dastehende Bescheidenheit aus. So schreibt er einmal als Antwort auf die ihm von Herz zugesandte Schrift: „Von der Verschiedenheit des Geschmacks" unter anderem: „Eine Stelle in derselben liegt mir im Sinn, über die ich Ihrer parteilichen Freundschaft gegen mich einen Vorwurf machen muß. Der mir in Parallelen mit Lessing erteilte Lobspruch beunruhigt mich; denn in der Tat, ich besitze noch keinen Verdienst, was desselben würdig wäre. Es ist, als ob ich den Spötter zur Seite sehe, mir solche