Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 6)
- Language
- German
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129 die für Ihre Rechnung gebührenden Kosten sollen auf das prompteste durch den Kaufmann Herrn Salzmann in Berlin bezahlt werden, als worauf, daß es geschehe, ich selbst sehen werde. Die Beschleunigung dieser Ihrer Mühwaltungen und Absendung des Arzneimittels mit der ersten fahrenden Post, allenfalls direkt an Herrn Kriegsrai Heilsberg, sobald als es möglich ist, werden Sie so gütig sein, zu bewirken; ich möchte meinem so langegeplagten Freunde gerne bald geholfen wissen. Unveränderlich bin ich mit Herzensgesinnung und Hochachtung Ihr ergebenster alter Freund und Diener I. Kant." Alle Briefe des Schülers an den innig, verehrten Meister sind in Ausdrücken voll Begeisterung und überschwenglicher Verehrung, aber auch voll Dankbarkeit für ihn abgefaßt. Gleich im Anfang seiner Berliner Wirksamkeit beeilt sich Markus Herz, dem Philosophen den Ausdruck feiner tiefen Bewunderung zu Füßen legen. So heißt es in einem seiner Briefe aus jener Zeit: „Der bloße Gedanke an Sie setzt meine Seele in eine ehrfurchtsvolle Erstaunung, und mit vieler Mühe nur bin ich alsdaun fähig, mein zerstreutes Bewußtsein wieder zu sammeln und meine Gedanken fortzusetzen. Sie allein sind es, dem ich meine glückliche Veränderung des Zustandes zu danken habe, dem ich ganz mein Selbst schuldig bin; ohne Ihnen würde ich noch jetzo gleich so vielen meiner Gebrüder gefesselt am Wagen der Vorurteile ein Leben führen, das einem jeden viehischen Leben nachzusetzen ist; ich würde eine Seele ohne Früchte haben, einen Verstand ohne Tätigkeit, kurz ohne Ihnen wäre ich dies, was ich vor vier Jahren war, das ist, ich wäre nichts." Und ein andermal, fünfzehn Jahre später: „Ha, das waren Zeiten, da ich so ganz in der lieben ruhigen Philosophie und ihrem Kant lebte und webte, da ich mit jedem Tage mich vollkommener und gebildeter als den Tag vorher fühlte, da ohne Nahrungsgewerbe, frei von Sorgen, es werde mir meines Lehrers Beifall und Aufmunterung gewährt, mein einziger Morgen- und Abendwunsch war, und der mir so oft gewährt wurde!" Wie gering Markus Herz sein eigenes Talent einschätzte, wenn er das unvergleichliche Genie seines Lehrers damit verglich, das erkennt man am besten aus einem in der handschriftlichen Sammlung der Briefe an Kant auf der Königl. Bibliothek zu Königsberg befindlichen Schreiben des Schülers 9