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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 127

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 127 (sequence 4)
Language
German
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127 gesetzt wird, den Gegenstand immer von anderen Seiten zu erblicken und seinen Gesichtskreis von einer mikroskopischen Betrachtung zu einer allgemeinen Ansicht zu erweitern, damit man alle erdenklichen Standpunkte nehmen, die wechselweise, einer aus optischem Urteil eines anderen, verifizieren. Keine andere Ursache als diese, mein werter Freund, ist es gewesen, die meine Antwort auf Ihre mir so werten Briefe zurückgehalten hat. Denn eine Lehre zu schreiben, schien von Ihnen nicht verlangt zu werden." Der Weltweise wtrd nicht müde, seinen Freund zu bitten, mit ihm Nachsicht zu haben, wenn er als Briefschreiber nachlässig sein sollte und ja nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. „Entsagen Sie," ruft er ihm bittend zu, „in Ansehung meiner den Rechten der Wiedervergeltung, mich Ihrer Zuschriften darum entbehren zu laffen, weil Sie mich so nachlässig zu antworten finden. Ich mache auf Ihre immerwährende Neigung und Freundschaft gegen mich ebenso Rechnung, wie Sie sich der meinigen jederzeit versichert halten können. Wollen Sie auch mit kurzen Antworten zufrieden sein, so sollen Sie dieselben künftig nicht vermissen. Zwischen uns muß die Versicherung emes redlichen Anteils, den Einer an dem Anderen nimmt, die Stelle der Formalitäten ersetzen. Zum Zeichen Ihrer aufrichtigen Versöhnung erwarte ich nächstens Ihr mir sehr angenehmes Schreiben. Füllen Sie es ja mit Nachrichten an, woran Sie, der Sie sich im Sitze der Wissenschaften befinden, keinen Mangel haben werden, und vergeben Sie die Freiheit, womit,ich darum ersuche." Immanuel Kant gab wiederholt seiner Freude darüber Ausdruck, daß Markus Herz irr Wort und Schrift bestrebt war, in seinen Kreisen die Kantische Lehre volkstümlich zu machen. Mit lebhaftem Interesse verfolgte er die literarische Tätigkeit desselben und er geizte nicht mit Lob, wenn er das eine oder das andere an ihm zu loben hatte. Auch in seiner Eigenschaft als vielbeschäftigter, viel gesuchter und erfolgreicher Arzt wird Markus Herz von dem wiederholt kränkelnden und namentlich an Verdauungsstörungen leidenden Philosophen in Anspruch genommen, indem dieser sich an jenem wendet, daß er ihm wirksame Arzneien für seine vielen Uebel zusende. Besonders geschieht dies in einem Brief Kants vom 12. August 1777, worin er klagt, daß sein

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