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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 126

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 126 (sequence 3)
Language
German
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126 Freunde sandte, beweisen, daß der Denker, der sonst ein ziemlich nachlässiger Briefschreiber war, den geistvollen Berliner Arzt in sein Herz geschlossen hatte, wie denn auch dieser stets in den Ausdrücken wärmster Verehrung, innigster Anerkennung von seinem „ewig unvergeßlichen Lehrer" spricht. Da dieser Briefwechsel auch an und für sich von hohem Wert ist, da darin zahlreiche bedeutsame Fragen der Philosophie angeschnitten werden, und die Persönlichkeiten der beiden Männer in vielfacher Beziehung in neuer Beleuchtung erscheinen, wollen wir darauf hier näher eingehen. Am 7. Juni 1771 sandte Kant an Herz einen Brief, der einen Umfang von mehreren Druckbogen hatte. Der Königsberger Philosoph legte darin in großen Zügen die Theorien seines Systems dar und zwar so lichtvoll und eindringlich, daß wir eine solche Frische und Fülle der Gedanken nur noch in den besten Werken Kants wiederfinden. Den Grund zu seinen ausführlichen Erörterungen und Auseinandersetzungen gibt Kant selbst an, indem er in der Einleitung zu seiner in brieflicher Form verfaßten Abhandlung sagt: „Nach Ihrer Abreise von Königsberg sah ich in den Zwischenzeiten der Geschäfte und der Erholung, die ich so nötig habe, den Plan der Betrachtung, über die wir disputiert hatten, noch einmal an, um ihn an die gesamte Philosophie und übrige Erkenntnis zu passen, und dessen Ausdehnung und Schranken zu begreifen. In der Unterscheidung des Sinnlichen vom Intellektuellen in der Moral und den daraus entspringenden Grundsätzen hatte ich es schon vorher ziemlich weit gebracht. Die Prinzipien des Gefühls, des Geschmacks und der Beurteilungskraft mit ihren Wirkungen, dem Angenehmen, Schönen und Guten, hatte ich auch schon "vorlängst zu meiner ziemlichen Befriedigung entworfen, und nun machte ich mir den Plan zu einem Werke, welches etwa den Titel haben könnte: „Die Grenzen der Sinnlichkeit und der Vernunft" .... In einer Gemütsbeschäftigung von so zärtlicher Art ist nichts hinderlicher als sich mit Nachdenken, das außer diesem Felde liegt, stark zu beschäftigen. Das Gemüt muß in den ruhigen oder auch glücklichen Augenblicken jederzeit und ununterbrochen zu einer zufälligen Bemerkung, die sich darbieten möchte, offen und zwar nicht immer angestrengt sein. Die Aufmunterungen und Zerstreuungen müffen die Kräfte desselben in der Geschmeidigkeit und Beweglichkeit erhalten, wodurch man in Stand

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