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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 125

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Immanuel Kant in seinen Beziehungen zum Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 125 (sequence 2)
Language
German
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125 Königsberger Weltweisen in Wort und Schrift ihm ihre Verehrung bekundeten, daß aber auch hervorragende jüdische Geistesgrößen ihn heftig befehdeten und bemüht waren, auf die Lücken und Schwächen seines Systems eindringlich hinzuweisen. Am 12. Februar d.L. wurde der Säkulartag Immanuel Kants von der ganzen gebildeten Welt pietätvoll gefeiert, und gewiß wird es die Leser dieses Jahrbuchs interessieren, auch die Beziehungen des großen Mannes zu den Juden im allgemeinen und zu einigen hervorragenden Vertretern desselben insbesondere näher kennen zu lernen. Reden wir zuerst von den eigentlichen Schülern des Meisters. Unter diesen nimmt der bekannte fürstlich Waldecksche Leibarzt, Hofrat und Professor Dr. Markus Herz, der gefeierte Gatte der nicht minder gefeierten schönen Henriette Herz, der Begründerin des ersten Berliner Salons, einen der vordersten Plätze ein. Immanuel Kant war diesem seinem Schüler stets in innigster Liebe zugetan, da er sich durch Scharfsinn auszeichnete und die Theorien des grundlegenden Denkers schon zu einer Zeit begriff, als dieselben für die meisten gebildeten Kreise noch wie ein Buch mit sieben Siegeln verschlossen waren. Als Kant, den Statuten der Universität gemäß, vor Antritt seiner Professur der Logik und Metaphysik an der Hochschule zu Königsberg eine lateinisch geschriebene Dissertation: ^Ueber Form und Prinzipien der sinnlichen' intelligiblen Welt" öffentlich verteidigen mußte, war sein Respondent sein Schüler Markus Herz — der beste Beweis dafür, daß der Königsberger Professor diesen seinen Jünger für würdig erachtete, um mit ihm über Ansichten zu disputieren, die bereits die Grundzüge der kritischen Philosophie Kants in nuce enthielten, welche er freilich erst mehr als ein Jahrzehnt später in der „Kritik der reinen Vernunft" der Welt vor Augen führte. Als Herz bald darauf nach Berlin übersiedelte, um sich dort als Arzt dauernd niederzulassen, hielt er außerordentlich besuchte Vorlesungen über die Kantische Philosophie, welche in den wissenschaftlichen und literarischen Kreisen der Metropole sehr großen Anklang fanden. Die beiden blieben seitdem in regem Briefwechsel, und die zahlreichen Zuschriften, welche Kant seinem Schüler und

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