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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 116

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Meine Religion und meine Lebensanschauung
Date
1905-01-01
Page
Seite 116 (sequence 10)
Language
German
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116 Wir haben schon viel von der Offenbarung gesprochen, und es wird Ihnen Allen bekannt sein, daß unter den verschiedenen Offenbarungen die zehn Worte des Bundes hervortreten, die auf dem Sinai verkündet wurden. Man kann ja eine göttliche Offenbarung bestreiten, aber es würde kaum glücken, den Ursprung 'der israelitischen und damit auch der anderen Religionen auf eine Weise zu erklären, die schließlich für den menschlichen Verstand leichter aufzufassen wäre. Ohne ein eigentlich göttliches Einwirken würde es noch wunderbarer sein, wenn Männer wie Moses und Amos den Menschen solches hätten vorführen können, wie wir es durch diese, durch die vielen anderen Propheten, ja durch das ganze Volk empfangen haben, das niemals vergessen hatte, daß einmal seine Hunderttausende am Sinai gestanden. Aber viel wichtiger als die Form der göttlichen Offenbarung ist selbstverständlich deren Inhalt. Schon früher als in der Schrift die Rede ist von Geboten, die den Menschen gegeben, ist ja gesagt worden, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes erschaffen wurde, und das Bewußtsein davon legt die Verantwortung und Verpflichtung auf, durch Befolgung der göttlichen Gebote Gottes Namen aus Erden zu künden und zu heiligen. Innerhalb Israels heißt es dann, daß man nichts besseres ausüben kann, als gerade dies: durch reine und fromme Handlungen Gottes Namen den Mitmenschen gegenüber zu heiligen, und daß nichts so schlecht ist, als durch unlauteren und schlechten Wandel, den Menschen und besonders Nicht-Juden gegenüber, den Namen des Gottes zu entweihen, dessen Bild wir in uns tragen und der sich zur rechten Zeit den Menschenkindern zu erkennen gab. Obschon nun die Offenbarung der Leitstern für den Israeliten ist, so sind wir weit davon entfernt anzunehmen, daß sich nichts gutes findet außerhalb Israel oder außerhalb des Gebietes, wo Israels Offenbarung direkt oder indirekt gewirkt hat. Ganz im Gegenteil. Nicht nur der Israelit und dessen geistige Sprößlinge sind es, die in Gottes Ebenbild erschaffen wurden, sondern die ganze Menschheit hat von Gott die hohen menschlichen Gaben erhalten; das Gute kann man bei allen Menschen finden, zu welcher Religion sie sich auch bekennen. Israel ist nicht auf solche Weise das aus-

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