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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 112

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Meine Religion und meine Lebensanschauung
Date
1905-01-01
Page
Seite 112 (sequence 6)
Language
German
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112 gelebt hat Namens Zoroaster, was wohl als wahrscheinlich angenommen werden kann, bemerke aber nur, daß der Dualismus in der Gottesbetrachtung keinesfalls von Zoroasters Lehre ausgeschlossen ist und daß der Einfluß, den er auf Israels Lehre ausgeübt haben soll, schon aus rein chronologischen Gründen unmöglich ist. — Wir sehen wohl innerhalb des Kreises der hochbegabten griechischen Philosophen Bestrebungen sich geltend machen, um zu der Lehre von dem einzigen Gott zu gelangen, aber dieser Monotheismus bleibt stets etwas abstraktes, dem es nicht gelingt, einen wirklichen Einfluß auf das Leben des Menschen auszuüben, wohingegen, wie schon erwähnt, das Judentum uns nicht nur den einzigen Gott lehrt, sondern auch, daß dieser der heilige und gerechte Gott ist, der alle Menschenkinder mit seiner Liebe umfaßt. Auf der einen Seite stellt das Judentum Gott auf die höchste Höhe, sodaß nichts und niemand mit chm verglichen werden kann, geschweige daß der Mensch in irgend einem Bilde einen Gott vorzustellen suchen möge, aber auf der anderen Seite lehrt uns die Schrift, wie nah.e er dem sterblichen Menschen steht, sodaß es keines Mittelgliedes bedarf, damit der Mensch im Gedanken und Gebete ihn erreichen könne. Wie unendlich das Wesen und die Macht Gottes auch ist, so daß der endliche menschliche Gedanke niemals das Unendliche vollständig, durchdringen kann, so gibt uns unsere Religion doch den unentbehrlichen Trost, daß dieser Gott, welcher unser Vater ist, auch den Geringsten und Schwächsten nahe ist, wenn sie ihn suchen. Und dieser Gott, der den Menschen in seinem Bilde erschuf, hat, wie unsere alten Weisen es sagen, dem Menschen die noch größere Wohltat erwiesen, ihm die Erkenntnis zu geben, daß er in Gottes Ebenbild erschaffen ist, hat, wie die ganze Geschichte Israels bezeugt, sich besonders das Volk Israel auserkoren, um sich der Menschheit zu erkennen zu geben. In Wirklichkeit ist ja auch die Offenbarung, die Israel empfangen, der Ausgangspunkt der Weltenreligionen. Man hat Israels Glauben daran, daß er besonders auserwählt war die Offenbarungslehre zu tragen, oft für Hochmut angesehen, aber mit Unrecht. Wenn Israel sich das

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