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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 111

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Meine Religion und meine Lebensanschauung
Date
1905-01-01
Page
Seite 111 (sequence 5)
Language
German
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111 Was in erster Linie für das Judentum seit dessen erstem Hervortreten bezeichnend ist, ist dies, daß es uns einen Gott als das höchste Wesen erfassen lehrt, als den Herrn und Vater aller Menschen, als ein geistiges Wesen. Die Menschheit hat wohl überall und zu allen Zeiten an ein höheres Wesen geglaubt. Während Missionäre in früherer Zeit davon erzählten, daß sie heidnische Stämme gefunden hätten, die gar nichts von einem Gotte gewußt, geben uns die Reisenden der Gegenwart andere Aufklärungen. Wohl findet man manche Stämme, die keinen Ausdruck für „Gott" haben, aber ob es nun ein Stein oder ein Stückchen Holz sei, so haben sie das eine oder andere, dem sie eine höhere Macht, als der Mensch besitzt, zuschreiben. Veranlassen sie ja schon Krankheit und Tod, Regen und Sonnenschein einen Blick über das Gebiet der Menschenmacht hinaus zu werfen. Aber das Eigentümliche des Judentums besteht nun darin, daß es dem Menschengeschlecht die Lehre von dem einzigen Gott gegeben hat; die Auffassung von dem heiligen, gerechten und liebevollen Gotte hat sich auf ganz unzweideutige Weise in der Geschichte Israels zu erkennen gegeben. Vorübergehend darf ich wohl hier erwähnen, daß man vor einiger Zeit aus einer kleinen Schrift: Babel und Bibel, die der Assyriologe Prof. Delitzsch Herausgaben, die Ansicht herauslesen wollte, daß der Monotheismus nicht seinen Ursprung in Israel habe, sondern von Babylon stamme; in einer vor ganz kurzer Zeit erschienenen Schrift verwahrt sich der genannte Verfasser gegen jeden ähnlichen Gedanken, den man nur aus Mißverständnis in sein früheres Buch hineingelegt habe. Obwohl er auch jetzt die heiligen Schriften Israels angreist, behauptet er doch mit Bestimmtheit, daß in Babylon Vielgötterei geherrscht habe, die Menschheit dagegen Israel den Monotheismus zu danken habe. — Und gerade an dieser Stelle darf ich vielleicht auch bemerken, daß es auf einem vollständigen Mißverständnisse beruhen muß, wenn ein Autor, der sich vor Kurzem in der Wochenschrift der fteien Kirchengemeinde ausgesprochen hat, Zoroaster die Ehre dafür zuschreibt, daß der Monotheismus innerhalb Israels seine Heimstätte gefunden. Ich will gar nicht auf die Frage eingehen, ob überhaupt jemals ein Religionsstifter

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