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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 109

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Meine Religion und meine Lebensanschauung
Date
1905-01-01
Page
Seite 109 (sequence 3)
Language
German
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109 Uebereinstimmung mit der Philosophie seiner Zeit den befragten Weisen die Lehre Aristoteles darstellen und zwar so, wie diese bei den Arabern namentlich durch die Entwicklung der späteren Ausleger bekannt war; aber der König fühlt sich von der Lehre des Philosophen über Gott und die Welt nicht zufrieden gestellt, weil der Gott, von dem der Philosoph spricht, sich nicht um diese Welt und deren Bewohner kümmert. ÄZer Chazarenkönig beruft danach einen christlichen Geistlichen, und dieser entwickelt die Lchrsätze des Christentums vor ihm. Aber auch von diesen fühlt er sich nicht zufrieden gestellt und erklärt nur, daß solche Betrachtungen vielleicht gut sein können für diejenigen, die von Kindesbeinen dabei ausgewachsen, aber ganz unverständlich seien für ihn, der erst als Erwachsener der christlichen Gottes- und Weltbetrachtung gegenübertritt. Nun wandte er sich an einen muhamedanischen Gelehrten. Der Bekenner des Islam erzählt ihm von seinem Glauben an einen einzigen Gott und seinem Glauben an Muhamed als dessen Sendling; als er ihm aber Beweise für seine Lehrsätze und alles Andere, das er von Muhamed erzählt, anführen soll, weist er besonders auf die Schönheit der arabischen Sprache des Koran hin, deren kein Sterblicher aus sich selbst heraus mächtig wäre. Dieser Beweis mußte seinen Zweck beim Chazarenkönig vollständig verfehlen; denn obwohl er arabisch verstand, war er als Nichtaraber gänzlich außer Stande darüber zu urteilen, ob der Stil des Koran wirklich an Schönheit alle anderen arabischen Werke übertreffe. Nachdem der König also in seiner Seele keine Ruhe gefunden, "sah er sich genötigt, einen der so gering geachteten Juden kommen zu lassen, um ihn über seine Religion zu befragen, - obwohl er auf Grund der geringen Zahl und der unterdrückten Stellung der Juden nicht erwartete, hier zu finden, was ihn befriedigen würde. Nachdem der König die stereotype Frage nach dem Glauben der Juden gestellt hatte, antwortete der jüdische Gelehrte: „Ich glaube an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Israel aus Aegypten geführt hat." Der Chazarenkönig rief aus: „Nun sehe ich, wie recht ich hatte, indem ich nichts vom Judentume erwartete; die Bekenner der anderen Religionen wiesen doch alle auf einen Gott hin, der Himmel und Erde erschaffen, und du

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