Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Moses Maimonides
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 13)
- Language
- German
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105 „Buch der Erkenntnis" herein, dessen Beginn Maimuni selbst noch erlebt hat. Ein junger, durch rabbinische Gelehrsamkeit wie heißblütige Frömmigkeit bekannter Spanier R. Meir b. Todros halevi aus Toledo stellte die RechtgläubigkeitMaimunis wegen verschiedener von ihm in den erwähnten Schriften behaupteter Meinungen in Frage, und entfachte dadurch einen Streit, der über das ganze dreizehnte Jahrhundert sich erstreckte und die jüdischen Gelehrten Spaniens, Frankreichs und Italiens in die feindlichen Lager der Maimunisten und Antimaimunisten teilte. Näher auf diesen Streit und den dadurch herbeigeführten merkwürdigen Schriftenwechsel einzugehen, ist hier nicht der Ort; der Schreiber dieses hat darüber in seiner „Geschichte des Erziehungswesens und der Kultur der abendländischen Juden" I, S. 67 ff. ausführlich gehandelt. Aber so heftig auch die Parteien einander entgegentraten, so wagten doch auch die Gegner der philosophischen Spekulation nicht, den Charakter Maimuni's anzutasten und seine Bedeutung zu verkleinern. Die letztere hat im Gegenteil durch den Streit nur gewonnen, und beide Werke sind fort und fort zu immer größerem Ansehen gelangt. Der bleibende und segensreiche Gewinn des Streites besteht aber darin, daß Ketzergerichte über Glaubensfragen im Judentum eine Unmöglichkeit geworden sind. Es hat sich in seiner freien Betätigung durch die Fesseln einer Dogmatik nicht beengen lassen. Das Merkwürdigste ist, daß Maimuni selbst Glaubensartikel, dreizehn an der Zahl, aufgestellt hat und daß sie niemals kanonische Geltung erlangt haben. So ist Maimuni gleichsam über sich selbst hinausgewachsen; die Freiheit und Selbständigkeit, zu der er den Grund gelegt und die er für sich in Anspruch genommen, ist zum Gemeingut aller geworden. Das Judentum schließt wegen Glaubensmeinungen keinen von sich aus, der nicht selbst sich von ihm ausschließt. Dies ist im Grunde das bleibende große Resultat der grundlegenden, die extremsten Gegensätze in sich vereinigenden Lebensarbeit Maimunis und des darüber entbrannten Streites, und wenn auch im Mittelalter und sogar auch in der neueren Zeit die Bannflüche hin und wider