Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Moses Maimonides
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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103 gehen, müssen wir unsere Aufmerksamkeit dem anderen Hauptwerke Maimunis zuwenden. Dieses arabisch abgefaßte, nachmals auch ins Lateinische und in die modernen Sprachen übertragene philosophische Werk führt in der verbreitetsten hebräischen Übersetzung den Titel „Moreb Nebuchim“ d. i. „Führer der Verirrten". Der Abstand zwischen ihm und dem Religionskodex erscheint allerdings auf den ersten Blick so groß, daß man sie, wäre es nicht verbürgt, nicht für Erzeugnisse eines und desselben Autors halten würde. In dem einen Werke wird das gesamte historisch gegebene religiöse Material als unerschütterlich und unantastbar hingestellt, in dem anderen erscheint die Religion in der Schwebe und bis in ihre Grundfesten der Prüfung unterworfen; dort herrscht die Formelhaftigkeit einer Gesetzsammlung, hier tiefsinnige Spekulation, dort der engste Anschluß an die Tradition, hier die freieste Behandlung der Bibel und des Talmud, Maimuni stellt in dem „Führer" ein geschlossenes religionsphilosophisches System auf, in dem er die Lehre des Judentums mit der aristotelisch-arabischen Philosophie in Einklang zu bringen versucht, bei aller Abhängigkeit von beiden jedoch so viel Selbständigkeit bekundet, daß er dadurch seinem Werke die Beachtung hervorragender Scholastiker und einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der mittelalterlichen Philosophie erobert hat. Wir würden die Grenzen einer allgemeinen Betrachtung weit überschreiten müssen, wollten wir dieses System auch nur in seinen Umrissen wiedergeben. Eine klare und übersichtliche Darstellung desselben hat M. JoZl in der Schrift „Die Religionsphilosophie des Mose ben Maimoni" (in dem Jahresbericht des jüdischtheologischen Seminars zu Breslau 1859) geliefert. Um aber einen Begriff von der Freiheit der Auffassung zu geben, die Maimuni bekundet, so sei erwähnt, daß er die Opfer als eine Konzession an das Sinnlichkeitsbedürfnis der menschlichen Gottesverehrung bezeichnet, biblische Erzählungen, die offenbar Tatsachen berichten wollen, wie die von dem Besuch der drei Gottgesandten bei Abraham und die Erzählung von Bileam und seiner Eselin, in das Gebiet der Traumvorgänge verlegt, und dahin auch die prophetischen Inspirationen, mit