Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Moses Maimonides
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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96 tums von zwei Seiten, und zwar von den entgegengesetzten Enden aus, zu bearbeiten unternommen. Diese Bearbeitung liegt in zwei monumentalen Werken vor, die einzig in ihrer Art sind, und zwischen denen, so verschieden auch die jedem derselben eigene Behandlungsweise ist, die in beiden hervortretende Geistesrichtung und Grundüberzeugung des Verfassers die Einheit herstellt. Wir schicken diese Bemerkung deshalb voraus, weil es oft als unbegreiflich, ja rätfelhaft bezeichnet worden ist, wie zwei so verschiedenartige Werke aus der Feder eines und desseben Autors hervorgehen konnten. Die Lösung dieses Rätsels liegt in der Persönlichkeit Maimunis, in dessen umfassendem Geiste selbst das scheinbar einander entgegengesetzte zur Einheit verschmolz; und was von allen Schriftwerken gilt, die nicht blos literargeschichtliche Bedeutung besitzen, sondern die Geister revolutioniert haben, daß sie nicht sowohl durch sich selbst, als vielmehr durch die Persönlichkeit ihrer Autoren von epochemachender Wirkung gewesen sind, das findet seine Anwendung auch auf die beiden Hauptwerke Maimunis, die erst von dem Hintergründe seiner Persönlichkeit aus ihre rechte Beleuchtung und Bedeutung erhalten. Würde jedes dieser Werke von einem andern Autor herrühren, so würden sie dadurch an ihrem inneren Werte nichts einbüßen, aber sie würden nicht die Umwälzung verursacht haben, die tatsächlich durch sie herbeigeführt worden ist. Diese Wirkung erfolgte eben dadurch, daß sie aus einer und derselben schöpferischen Hand hervorgegangen sind. Wie kann man nun rätselhaft an ihnen finden, was ihr Wesen ausmacht und worin ihre Bedeutung beruht? Die wahre Größe ist für die hausbackene Menschheit immer ein Rätsel, während sie an sich die Einfachheit selbst ist. Das erstere der beiden Werke, von denen hier die Rede ist, das Maimuni in der verhältnismäßig kurzen Zeit von zehn Jahren ausarbeitete, führt den Titel „Mischne-T ora“ oder „Jad Hachasaka“. Dieses Werk hat dem Namen Maimunis oder des „Rambam“ (d. i. Rabbi Moses ben Maimun) die weiteste Verbreitung verschasit. „Der Rambam sagt" — diese seit Jahrhunderten übliche Formel verweist in der Regel auf das soeben genannte Werk. Mit demselben