Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Moses Maimonides
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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95 Stellung bezog er aber keinen Gewinn, denn nach seiner Ansicht, die er in seinem Kommentar zu den „Sprüchen der Väter" mit großer Wärme vertritt, widerstreitet es dem Geiste der jüdischen Lehre, für die Unterweisung in derselben Besoldung anzunehmen. Er bezeichnet die Annahme von Gehalt für die Ausübung rabbinischer Tätigkeit geradezu als Entweihung des göttlichen Namens, denn das Volk werde dadurch zu der Meinung verleitet, die Pflege der Tora sei ein Erwerbszweig wie jeder andere, während sie als göttliches Gebot um ihrer selbst willen auszuüben sei. Die Verhältnisse haben sich seitdem geändert, und schon im Mittelalter, vollends in der Neuzeit, ist die Ausübung rabbinischer Tätigkeit ein Berusszweig geworden, der seinen Mann ganz in Beschlag nimmt und es ihm unmöglich macht, durch Nebenbeschäftigung für seinen Unterhalt zu sorgen. Immerhin bekundet die Haltung Maimunis große Selbstlosigkeit und religiöse Begeisterung, und diese Eigenschaften erklären die Hingebungssreudigkeit, womit er sein Leben und fast seine gesamte schriftstellerische Tätigkeit der Darstellung des Judentums gewidmet und dieser eine Vollendung gegeben hat, die vor ihm niemals erreicht worden war. Bei der Ausführung dieser Ausgabe wird ihm ohne Zweifel seine ärztliche Bildung und Erfahrung insofern förderlich gewesen sein, als sie ihn in Stand setzten, gut zu beobachten, kritisch zu urteilen und Erscheinungen, die in der damaligen Zeit aus abergläubischen Vorstellungen ^abgeleitet wurden, auf ihre natürlichen Ursachen zurückzuführen. So wurde sein Geist durch den Einblick in das Wesen der Dinge aus dem Dunkel herausgeführt und vermochte sich zur Höhe philosophischer Erkenntnis aufzuschwingen, von wo aus sein Licht einerseits den Königen der Philosophie, wie Thomas von Aquino und Albert b. Gr., und andererseits den Philosophen unter den Königen, wie Kaiser Friedrich II. und Robert v. Neapel geleuchtet hat. Ihm selbst war es aber nur darum zu tun, die Tora und den Talmud wissenschaftlich zu durchdringen, und die Ueberzeugung von der Wahrheit der jüdischen Religion, die ihn erfüllte, auch ihren Bekennern einzuflößen. Zu diesem Zwecke hat Maimuni die Lehre des Juden-