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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 94

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Moses Maimonides
Date
1905-01-01
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 hat? Diese Fragen wollen wir zu beantworten versuchen, zuvor aber aus seinem Leben dasjenige hervorheben, was zum Verständnis seiner schöpferischen Tätigkeit notwendig ist. Maimuni — dieser arabisch-jüdischen Benennung wollen wir uns fortan bedienen — war nach seinem bürgerlichen Berufe Arzt; und daß er als solcher zu den ersten und berühmtesten seiner Zeit gehörte, beweist schon der Umstand, daß er am Hofe des Sultans Saladin seine Kunst ausübte, und bei dem Sohne und Nachfolger desselben, Alfadhal, die Stelle eines Leibarztes bekleidete. Es wird auch berichtet, daß der englische König Richard Löwenherz, der Held des dritten Kreuzzuges, ihn zu seinem Leibarzte berief. Er lehnte aber die Berufung ab und blieb in Aegypten. Ueber den Umfang seiner Praxis schreibt er selbst: „Der Sultan wohnt in Kairo und ich in Fostat, beide Städte liegen zwei Sabbatwege (ungefähr V2 Meile) von einander entfernt. Mit dem Sultan habe ich einen schweren Stand, täglich muß ich ihn des morgens besuchen, und wenn er oder eines seiner Kinder oder eine seiner Haremsbewohnerinnen leidend ist, darf ich Kairo nicht verlassen. Wenn aber auch nichts besonderes vorfällt, kann ich doch erst nachmittags nach Hause kommen. Wenn ich nun sterbend vor Hunger mein Haus betrete, finde ich die Vorzimmer voll von Menschen, Juden und Mohamedaner. Vornehme und Geringe, Freunde und Feinde, eine bunte Mischung, die meinen ärztlichen Rat erwarten. Kaum bleibt mir Zeit, von meinem Zelter zu steigen, mich zu waschen und etwas zu genießen. So geht es bis in die Nacht hinein, und ich muß dabei vor Schwäche auf dem Ruhebett liegen. Nur am Sabbat bleibt mir Zeit, mich mit der Gemeinde und der Lehre zu beschäftigen. Ich pflege an diesem Tage die Gemeindeangelegenheiten für die laufende Woche anzuordnen und einen Vortrag zu halten. So fließen mir die Tage hin." (Grütze Gesch. d. Juden VI, 2. Aufl., S. 356.) Daß Maimuni, wie die letzten Zeilen besagen, sich eingehend mit den Gemeindeangelegenheiten befaßte und religiöse Vorträge hielt, hängt damit zusammen, daß er neben seiner ärztlichen Tätigkeit auch die Befugnisse des Vorsitzenden des Nabbinatskollegiums in Fostat ausübte. Aus dieser

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