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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 85

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Ethisches Wissen und Leben im Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 85 (sequence 10)
Language
German
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Antrittsrede gehalten über das Verhältnis von Staat und Kirche zu ‘ einander, ba kommt er auch auf die Juden zu sprechen. Ich verweise Sie darauf, daß Sie es selbst lesen, es würde uns abführen von dem Gedankengang, der uns beschäftigt. Nur das eine habe ich anzudeuten, daß er darauf hinweist, die Juden hatten gar keine solche Autorität, keine wesentliche Macht, die sie zusammengehalten hätte und gleichwohl ist ihre Kirche die besterhaltene, die am 'festesten gegründete von allen Kirchen, welche während zweieinhalbtausend Jahren auf der Welt erschienen, blos wegen ihrer Hochachtung und Anerkennung der wahrhaften Autorität geistiger Ueberlegenheit. Und daneben bei dem Judentum ein Widerstreit gegen die Autorität, wie er sich nirgends findet, daneben eine Ueberhebung des Einzelnen, der durchaus meint, daß jeder für sich allein fei, jeder mit dem absolutesten und allerextremsten demokratischen Sinn, als ob es gar keine Autorität gäbe; ich sehe, daß das Judentum sich durch Jahrtausende erhält ohne verschiedene Sekten, und auf der anderen Seite so viele Spaltung unter den Juden, wie in keiner anderen Religion. Jeder hat seine eigene Religion, wofür es einen sprichwörtlichen Ausdruck gibt. — Ungeschrieben freilich. — Schließlich sehen Sie den jüdischen Stamm zufammengehalten, horizontal in seiner Ausbreitung über die Erde, vertikal in feinem ganzen Verlauf in der Geschichte. Sie sehen ihn als historische Einheit, zusammengehallen durch einen Zug, mit welchem er alle übrigen Völker, zunächst des Altertums, übertroffen hat, durch die Treue gegen seine Religion, mit einem Worte: durch die Treue gegen seinen Gott. Und Sie sehen wiederum so viele Verwilderung, so häufigen Abfall, so häufigen, so krassen und widerwärtigen Jndifferentismus gegen denselben Gegenstand der Treue, welche das Volk durch Jahrtausende zusammenhält, wiederum wie bei keinem andern Volke. Sie werden, verehrte Anwesende, im Laufe der Zeit, daß Sie jetzt Verlesungen über die Wissenschaft des Judentums hier halten lassen, viel aus dieser Wissenschaft und über den Charakter sowohl ihrer selbst, als auch der Träger derselben gehört haben. Gestatten Sie mir über diesen Punkt einige allgemeine Bemerkungen dazwischen zu schieben.

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