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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 82

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Ethisches Wissen und Leben im Judentum
Date
1905-01-01
Page
Seite 82 (sequence 7)
Language
German
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82 der gesagt hätte, vom Belieben des Menschen hänge es ab, wie das Leben sich zu gestalten hat. Die Griechen suchten nach einem festen Grundsatz für das sittliche Leben, sie wollten alle dahinter kommen, was ist eigentlich das Ziel des sittlichen Lebens, was sollen, was können wir damit erreichen? — So haben sie mit sehrwenigen Ausnahmen, erhabene Geister wie Plato immer ausgeschlosfen, so haben sie in der großen Zahl der Forschenden den einen Gedanken immer nicht los werden können, es handle sich darum, daß man glücklich werde, also das was die Wissenschaft schlechtweg Eudaemonismus nennt; alles Sittliche hat ein außer ihm gelegenes Ziel. Dagegen hatte der jüdische Stamm auch lange und schwer zu kämpfen. Jmmer und immer wieder tritt der naturgemäße Gedanke auf beim Haufen, und immer und immer wieder wird er bekämpft und siegreich bekämpft. In einem einzigen kurzen Spruche, in einem bildlichen Spruche ist die ganze Weisheit mit dem absolutesten Sieg gegen den Eudaemonismus zum Ausdruck gekommen: ^Lchöner ist eine einzige Stunde des Beglücktseins im künftigen Leben als alle Freuden dieses Lebens, aber schöner ist eine einzige Stunde der Wohltätigkeit in diesem Leben, als alle Freuden des zukünftigen Lebens. Mit einer Kühnheit ist das Bild gefaßt, mit einer Klarheit und Festigkeit ist es ausgeführt, daß unser großer Kämpfer gegen den Eudaemonismus, Kant, es zu einergrößeren Vollkommenheit im Ausdruck nicht hätte bringen können. Die Fassung, die wundervolle Fassung dieses Spruches zeigt uns zugleich, daß der Verfasser desselben griechische Studien gemacht hat. An dieser Stelle heißt es: Schön ist der Genuß im künftigen Leben, und schöner ist die Stunde des Wohltuens in diesem Leben. Schön, das ist griechisch gesagt. Sie suchen vergeblich in der ganzen Bibel eine solche Bezeichnung, daß das edle, ideale in dem menschlichen Leben, daß edlere Intelligenz der Gesinnung durch Schönheit ausgedrückt wird. Wir sehen hier, daß in den Hütten des Sem sich griechische Schönheit einfindet.

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