Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Ethisches Wissen und Leben im Judentum
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 4)
- Language
- German
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79 bei den Juden, ist es nicht jene physische Gewalt und jene Kunst des Kampfes, jenes Heldentum des äußerlichen Daseins, welches die höchste Würde verleiht. Die geistige Kraft ist es, die Weisheit ist es, die sich die mächtigste Würde des Lebens erringt, und dies auch bei allen anderen semitischen Stämmen in ganz ähnlicher Weise. Die als Herrscher empor gekommenen sind Helden des Glaubens oder Helden der Weisheit. Jene Erzählung von König Salomo, der von der Vorsehung auf die Aufforderung, daß er sich etwas erbitte, was ihm zumeist am Herzen liege, Weisheit verlangte, nicht Macht, nicht Reichtum, würde einem arischen Volke vollständig unverständlich, ein solcher König würde ihnen nicht als weise, sondern als ein Thor erschienen sein. König David war ein gewaltiger Held, ein Mehrer des Reiches. Er war seinem Volke sehr ins Herz gewachsen und er ist dies auch heute noch. Aber nicht, weil er ein Held ist, sondern weil er der königliche Sänger ist. Der Psalmist ist es, an dem sie alle hängen und noch lange hängen werden. Und dieser König David soll nach der Auffassung, die hier vorliegt, nicht den Tempel bauen, weil ... er zu viel Menschen getötet hat. Im nationalen, wenn Sie wollen, im heiligen Kriege immerhin, durch die Ausbreitung irdischer Macht und Gewalt zu sehr geleitet, in jenen Taten, welche an die Rauhheit und Rohheit der Barbarei erinnern, war er nicht gewürdigt, den Tempel des Gottes zu erbauen; Salomo erst ward dazu erkoren. Es gibt einzelne kleine, flüchtige Züge, die uns in der Bibel gezeigt werden, es ist von dem Vielen, was erlebt worden ist, so wenig auf uns gekommen, wie durch eine Ritze lassen sie hineinschen in ein Gemach, wo wir alles überblicken. Ziemlich aus fernem Lande, nach damaligem Begriffe, kommt zu König Salomo eine Fürstin zu Besuch, mit glänzendem Gefolge. Sie muß glänzend bewirtet werden. Was geschieht: Keine kriegerischen Spiele, keine militärischen Paraden, keine Hetzjagden, keine Rennbahnen. Was geschieht? Die Schätze der Weisheit werden ihr gezeigt, die Weisheit Salomos und seines Zeitalters. Was wir hier sehen, deutet in der Tat daraus hin, daß ein Zug zu tieferer Bildung, selbst für allgemeine Wissenschaften bereits im Stamme emporgekommen war. Es ist zweifellos.