Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Christus=Barabas
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 70% known words query
- IRI
…/3111067-3111082-3113591--2062-3113688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
73 nämlich des Teufels (vergl. Nebe a. a. O.). Und auf die Familienbeziehungen zwischen dem. Teufel und Barabas kommen wir auch bei einer anderen Auslegung, welche Barabas übersetzt als Sohn des Lehrers (der Juden), nämlich des Teufels.*) .Es gibt hier also die Antithese Jesus Barabas Jesus, (Christus) der Sohn des Vaters im Himmel und Jesus Barabas der Sohn des Vaters, nämlich der Juden des Teufels. Eine Antithese, die sich natürlich nur dann erklärt, wenn man annimmt, daß der Jesus Barabas der ursprünglichen judenchristlichen Darstellung sich später in zwei Personen gespalten hat. Daher sind die Spuren der Identität um so deutlicher, je älter die Darstellung ist. Daraus, daß das Jesus vor Barabas nur im Matthäusevangelium steht und nicht in den anderen Evangelien, ist daher nicht mit Nebe im Sinne der Vermutung zu deuten, daß der Vorname Jesus nur durch Flüchtigkeit eines Abschreibers in die Erzählung hineingekommen ist. Im Gegenteil ergibt das Vorkommen des Namens Jesus in der (lokalen) syrischen Version und gerade im Matthäusevangelium, während er später absichtlich ausgelassen, in Manuskripten auch ausradiert wurde, den Vornamen Jesus als die ursprünglichere Lesart. — Fassen wir zusammen: wir haben die Erzählung, wie Karabas als König der Juden verspottet wurde, die Um- *) Zahn citiert a. a. O. aus Andreas G-aHandi’s Bibliotheca veterum patrum etc.: Origenes Adamantius: Commentarii in Mathaeum: παλαιοΐς όε πάνν άντιγράφοις έντνχών εν ο ον καί αυτόν τον Βαραββάν Ίησονν λεγόμενον, όντως γουν εί^εν ή του Πιλάτου πενοις εκεί (ν. 17 vermischt mit ν. 21); ״τίνα Βελετε από των όνο απολυθώ νμΐν, *ϊηθονν τον Βαραββάν η Ιησοϋν τον λεγόμενον Χριστόνci. Vetustissima legens exemplaria inveni, ipsum quoque Barabam vocatum fuisse Jesum. Sic igitur se ibi habebat Pilati interrogatio : Quem vultis de his duobus dimittam vobis? Jesum Barabam, vel Jesum qui dicitur Christus? Ut enim videtur, latro patronymice vocabatur Barabas quod interpretatur Doctoris filius. Composisum igitur nomen Baramban indicat filius doctoris nostri. Ut cuiusnam alius doctoris filium oportet reputare latronem insignem quam viri sanguinum, quam eius qui ab initio est homicida: quem usque in hanc diem, qui ab ipso discunt facere homicidia praeferunt vivificatori hominum Domino nostro Jesu Christo?