Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Christus=Barabas
Date
1905-01-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111082-3113591--2061-3113687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

72 ״Ich finde keinen Anstoß daran, daß ein Mensch wie Barabas auch den Rufnamen Jesus führte, kann aber doch jenen Quellen zweiten und dritten Ranges nicht den Vorrang vor den hauptsächlichsten Handschriften einräumen. Es kommt dazu, daß die andern Evangelisten von diesem zweiten Namen garnichts wissen. Mir ist nicht unwahrscheinlich, daß die Hinzufügung des Namens Jesus zu Barabas der Fehler eines flüchtigen Abschreibers ist." Demgegenüber sagt im entgegengesetzten Sinn der Kommentar des Professor Zahn*) sehr richtig: „ . . . Das Zeugnis der Handschriften des 2. Jahrhunderts, denn diesem gehören die Handschriften an, welche Origenes ganz alt nannte, und der ältesten syrischen Version wiegt an sich ebenso schwer, wie das der großen Masse der heute vorhandenen Handschriften, und wie begreiflich es ist, daß der Anstoß, den Origenes an diesem Text nahm, nach seiner Zeit noch häufiger wie vor derselben die Tilgung des ’srjaovv zwischen teyopsvov und Bccq. vor 16 und nochmals tov Bag. vor 17 veranlaßt, so unbegreiflich wäre es, daß nachträglich christliche Abschreiber den geheiligten Namen Jesus dem Mörder gegeben haben sollten." Man sieht daraus recht deutlich, wie sehr Nebe's Blick durch sein religiöses Empfinden getrübt ist. Denn wenn schon Origenes schreibt, in vielen Manuskripten sei der Name Jesus nicht vorhanden und absichtlich fortgelassen, so bekundet er deutlich genug, daß die Lesart Jesus Barabas ursprünglicher war als der Name Barabas ohne Jesus. Barabas bedeutet im Aramäischen der Sohn des Vaters, also den Namen, unter welchem Christus , dogmatisch der Stifter der christlichen Religion ist. Steht dann gar in den älteren Manuskripten Jesus Barabas, so ist das zweifellos für meine These ein äußerst starker Beweis. — Es ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Name Barabas im Talmud gelegentlich auch als Name vorkommt. Dies ist zutreffend. Der Name Jesus ist aber tausendfach häufiger gewesen, und man hat doch an ihm Anstoß genommen. Dazu kommt, daß schon den Kirchenvätern der Name Barabas nicht ein beliebiger Name war. Dem Theophylactüs bedeutet Barabas auch der Sohn des Vaters, das heißt des Vaters der Juden, *) Th. Zahn: Kommentar zum neuen Testament. S. 700.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.