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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 71

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Christus=Barabas
Date
1905-01-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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71 bloß mit dem Ruf der vor den Palast des Pilatus ziehenden Juden gegeben wäre: „Wir wollen den Barabas." Beides stellt im Sinne der Volksdichtung eine glückliche Aenderung dar. — Wenn die Juden den Barabas statt Christus frei haben wollen, so ist der Satz des Johannesevangeliums: „Barabas aber war ein Mörder" in der Darstellung natürlich weitaus wirksamer als der Satz in Matth.: „einen sonderlich vor anderen, der hieß Barabas". Umgekehrt paßt die Erzählung von der Verhöhnung Christi durch die Legionäre nicht in eine römerfreundliche Version der Evangelien. Hier verliert der Vorgang daher allmählich an Bedeutung; im Lukasevangelium wird eine ähnliche Verhöhnung durch Herodes, also im Sinne einer antijüdischen Darstellung, berichtet. — Beides deutet darauf, daß wir im Matthäusevangelium die älteste Darstellung haben. Hier ist ein wirklicher Vorgang, der erzählt wird, mit den meisten Einzelheiten dargestellt, umgekehrt der zum Zwecke des Kontrastes geschaffene Barabas am farblosesten. Dem Matthäusevangelium sind' aber noch zwei fernere zur Barabasepisode gehörende Momente eigentümlich, nämlich das schon erläuterte Wort: „Sein Blut komme über uns" — und der Vorname Jesus vor Barabas. In den ursprünglichen Handschriften des Matthäusevangeliums stand nicht Barabas sondern Jesus Barabas. Es geht dies aus Origenes hervor, der zur fraglichen Stelle die Bemerkung macht: „In vielen Exemplaren ist nicht enthalten, daß Barabas auch Jesus heißt und wahrscheinlich mit Recht, damit der Name Jesus nicht einem Missetäter beigelegt wird."*) Also nicht nur, daß sich der Vorname Jesus bei dem Namen Barabas in alten Manuskripten findet, dieser Vorname muß im Anfang allgemein gewesen sein und wurde später absichtlich fortgelassen. Er bildet noch jetzt eine Verlegenheit für diejenigen Kommentatoren, welche mehr Theologen als Philologen sind. Beispielsweise schreibt Rebe: Leidensgeschichte Jesu Christi, Band H. S. 87: *) In mnltis exemplaribns non continetnr quod Barabas etiam Jesns et forsitan recte et ne nomen Jesu conveniat alicui iniquorum. In einigen Handschriften ist nachweislich der Vorname Jesus vor Barabas ausradiert.

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