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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 68

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Christus=Barabas
Date
1905-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 aber wenn die Juden bei Pilatus keinen Widerstand finden, vielmehr vertragsmäßig die Freigabe eines Gefangenen fordern dursten, so bleibt der Zug vor den Palast des Pilatus ohne Motivierung. Daß in eine judenchristliche Darstellung der Verurteilung Christi die Figur des Barabas nicht gepaßt haben würde, ist klar. Es wäre deshalb anzunehmen, daß diese Figur erst später geschaffen worden ist, so daß sich in der Antithese Christus — Barabas die Antithese Heidenchristen — Juden abspiegelt. Daß die Figur des Barabas als Antithese gegen Christus geschaffen wurde, ergibt sich indessen nicht nur aus dieser psychologischen Argumentation, eine Anzahl weiterer Momente ist geeignet, diese Vermutung zu stützen. Professor Wendland in Bonn hat in einem Artikel* **)) „Jesus als Saturnalien-König" darauf hingewiesen, daß die Erzählung der Evangelien inbezug auf den Spott, den die Legionäre mit Christus bei der Kreuzigung treiben, einem von Philo berichteten Vorgang beim Ausbruch der Judenverfolgung des Jahres 38 nach Christi Geb. in Alexandria auffallend ähnlich sei. Aus der Erzählung geht hervor, daß ein gewisser Karabas ungefähr zur selben Zeit, in welche der Tod Christi verlegt wird, als König der Juden verspottet wird, und daß er hierbei in derselben-Weise herausstaffiert wird, wie Christus nach der Erzählung der Evangelien. Auch die Inschrift: INBI, die Christus als König der Juden verspotten soll, findet eine Parallele in dem Vorgang, der sich in Alexandrien abgespielt hat. Notorisch war der geistige Zusammenhang der Juden zwischen Alexandrien und Jerusalem ein sehr reger, und es ist zweifellos, daß die Vorgänge, von denen Philo erzählt, nach Palästina berichtet worden sind, umsomehr als sie bei der Rückreise des Judenkönigs Agrippa nach Palästina sich abspielten. Die Ausführungen Wendlands sind so bedeutsam, daß wir sie im Auszug folgen lassen: Diese Erzählung hat eine auffallende Aehnlichkeit mit einem von Philo*^) berichteten Vorgänge beim Ausbruch der Juden- *) Hermes, Zeitschrift für klassische Philologie, 1898, Seite 175 ff. **) In Flaccum 5, 6.

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