Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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49 Vordergrund der Betrachtung; die Beziehungen zum Judentum bleiben aber deshalb nicht unbesprochen. Eine besonders eigenartige Individualität aus diesem Kreise, E. M. Lilien, hat durch St. Zweig eine interessante Darstellung seines Lebenswerks erhalten. An dies Gebiet schließt sich das sehr interessante Reisewerk über Palästina von Adolf Friedemann durch die Nachbildung von Originalradierungen und Handzeichnungen Hermann Strucks würdig an. Im übrigen fällt uns gerade bei diesem hervorragenden Radierer die Tatsache ein, daß auch eine zweite Revue jüdischer Künstler nicht minder stattlich ausfallen würde als die erste. So reich ist die Arbeit der Juden bereits auf diesem ihnen erst erschlossenen Gebiete. Der letzte Gang sei dem alten Prager Judenfriedhof gewidmet, der in den früheren Jahren wiederholt durch die Kunst verherrlicht wurde. Das Werk von Dr. L. Jerabek schließt sich den bisherigen Ediüonen ebenbürüg an. Die Illustrationen sind sehr schön ausgeführt und teilweise außerordentlich wirksam. Auch das Buch ist gut geschrieben; es entbehrt nur der letzten Feile durch einen Fachgelehrten. Nichtsdestoweniger wird die Absicht, eine Quelle der Belehrung und zugleich der Erkenntnis allen jenen zu werden, die die Beurteilung dieses Denkmals „für unser schönes und uns allen so teures Mütterchen Prag" noch nicht voll zu würdigen verstanden, hoffentlich erreicht werden, was angesichts des Vandalismus, mit dem man dort an die Zerstörung dieses historischen Denkmals sich wagte, dringend zu wünschen wäre. Wir zweifeln sehr, ob man ein solches Wagnis unternommen hätte, wenn dieses Denkmal nicht gerade ein jüdisches wäre. Und darum tut die Objeküvität wohl, mit der der nichtjüdische Historiker die alte Gräberstätte schildert. Sie ist leider in der Gegenwart nicht überall zu stnden — weder in der wissenschaftlichen noch in der schönen Literatur. * * Erfährt aber der Jude im Roman nicht die Charakteristik und das Judentum in der Wissenschaft nicht die Würdigung, die ihm gebühren, so kann man es sehr wohl be- 4