Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 35)
- Language
- German
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50 greifen, daß die Juden auch in der politischen und sozialen Literatur noch immer nicht gut wegkommen. Jndeß muß doch zugestanden werden, daß die Flut gegnerischer Schriften sich doch verlaufen hat und daß der Ton in den im abgelaufenen Jahre erschienenen wesentlich besser geworden ist. Etwas Erwähnenswertes ist übrigens aus der polemischen Literatur nicht zu vermerken. Die traurige Lage der Juden in Rußland fordert natürlich noch immer allgemeine Beachtung, die ihr auch in den Werken von L. Errera und H. Ganz in humanem Sinne zuteil wird. Die entsetzliche Katastrophe von Kischinew hat eine ganze Literatur gezeitigt, aus der nur die Schriften von Siegmund Bergel, Cyrus Adler und E. M. Lilien besondere Beachtung verdienen, weil sie eine über das. Ereignis hinausreichende Bedeutung haben. Ein seltsames Unternehmen ist die hebräische Uebersetzung der norwegischen Konstitution von M. Aschkanaz e. Mit der jüdischen Tauffrage beschäftigt sich eine Broschüre von F. Wittels. Der großen Sorge um die Zukunft des Judentums hat Fabius Schach eine von tiefem Studium zeugende sehr lesenswerte Arbeit gewidmet. Ueber die Streitfragen der religiösen Parteien haben Max Margolis in einer Schrift über die Reform des Judentums und A. Berliner in einer Broschüre über die Orgel in der Synagoge gehandelt. Die junge Wissenschaft der jüdischen Sozialist!! und Statistik wird durch ein gründliches Werk von Arthur Ruppin über die Juden der Gegenwart wesentlich gefördert. Es ist dies eine grundlegende Arbeit für das ganze Gebiet, auf Grund deren erst ein fester Boden für die vielen schwebenden Probleme geschaffen wird. In acht Abschnitten bespricht der Verfasser in durchaus objektiver Weise und mit großer Sachkenntnis die Bevölkerungsstatistik, die biotischen Verhältnisse, das Geistesleben, die Erwerbs- und Berufsverhältnisse, die Moralität, die staatsbürgerliche und politische Stellung, endlich die Nationalitätsidee bei den Juden der Gegenwart. Die Resultate, zu denen er auf Grnnd seiner Forschungen gelangt, sind nicht unerfteulich. Es ist dies gegenüber Unkenrufen, die von Zeit zu Zeit aus dem eigenen Lager erschallen, eine tröstliche Erscheinung. Weniger tröstlich sind die Beobachtungen, die S. Singer in seiner Krankheitslehre der Juden und C. H. Stratz in