Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 32)
- Language
- German
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47 wenn sie ihre Äußerlichkeiten mit der Korrektheit eines passionierten Sammlers sorgsam zusammengetragen und zu einem Ganzen vereinbart hat. Das Heißt aber da aufhören, wo man eigentlich erst anfangen sollte, und ein weiteres Fortschreiten auf diesem Gebiete hieße sich in Fesseln begeben, die wir eben brechen wollen. Wir sollen den Wert des Menschen nicht nach Gesinnung und Stimmungen beurteilen, sondern nach seiner gesamten inneren Richtung und tatsächlichen Bewährung. Nach diesen kurzen einleitenden Bemerkungen können wir ohne jede Kritik die einzelnen Romane aneinander reihen. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Schriften von Hermann Heijermanns: Diamantstadt und Sabbat, der mit einer unerbittlichen Objektivität die Schäden des Judentums darstellt, aber von den Lichtseiten desselben absolut nichts zu wissen scheint. Ferner der erste Band einer Romanfolge von Stilbauer, Götz Kraft, die Erzählung von R. Huld sch in er. Eine stille Stadt, die Romane von F. Holländer, Thomas Truck, das Kreuz des Juden von H. Jaques, der Stern von Halalat von Martin Herlinden, das Rätsel Jude von A. Halbert, die Erzählungen aus dem Russischen von Eugen Tschirikow und die liebenswürdigen russischen Dorfgeschichten von I. Rabbinowitz. Eine sehr wertvolle Gabe sind die gesammelten Novellen von Heinrich Iork-Steiner: Der Talmudbauer u. a. Eine wahre poetische Erfrischung nach all den wertlosen Produkten, die Wohl der Sturm des nächsten Herbstes wieder hinwegfegen wird. In unserer noch wenig ängebauten Memoirenliteratur werden die hübschen und anspruchslosen Schilderungen aus halbvergangener Zeit, die Armin Schnitzer als „Jüdische Kulturbilder" herausgegeben, bleibenden Wert behalten. Die vielbeliebten Schilderungen aus dem Notizbuch des Onkel Jonas sind in einer illustrierten Ausgabe herausgegeben, die sicher ebenso viele Freunde finden wird, wie die früheren Ausgaben des jüdischen Fritz Reuter. Anspruchslose Skizzen, die den Humor aus dem jüdischen Leben darstellen sollen, hat S. I. Ruegenwald gegeben. Dagegen hat die Darstellung jüdischen Wesens, die ein berühmter Autor, Hermann Sud ermann, in seinem Schauspiel: Der Sturm-