Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 27)
- Language
- German
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42 zum Judentum charakterisiert, sondern hauptsächlich darum, weil er unsere Stellung im modernen Leben, unsere Position gegenüber dem Staate und der Kulturwelt, vor allem aber unsere Kampfeshoffnungen in wahrhaft lapidaren Sätzen ausführt: „Unter allen Angriffen auf die Ehre dürste kaum einer tiefer und innerlicher den Angegriffenen verletzen als der Judenhaß in seinen verschiedenen Formen und Nüancen. Shakespeare hat daher ja auch geglaubt, die Reaktion dagagen als einen weltgeschichtlichen Affekt verewigen zu dürfen. In der Tat, für einen Juden, der auf Grund geschichtlichen Verständnisses den Anteil kennt, und mit natürlicher Pietät würdigt, welchen der Gedanke des Prophetismus an der Erziehung des Menschengeschlechts hat und in alle Ewigkeit haben wird; für ihn, als Kulturmenschen, kann es keinen tieferen Schmerz geben, als der durch den Undank gegen den ewigen Juden verübt wird. Würde das Vaterland in ähnlicher Weise verleumdet, so würde dieser Schmerz der gleiche werden. Hier handelt es sich nicht um die Ehre einer atavistischen Gemeinschaft, sondern um eine solche, welche als eine echte Vertretung der sittlichen Allheit sich fühlt; freilich, in wie weit diese durch die Religion vertreten werden kann. Es tritt unvermeidlich auch hier, der Konflikt zwischen Religion und Ethik ein, insofern der Staat allein die Allheit zu vertreten hat, während die Religion in Rücksicht auf ihre angebliche Wahrheit Allheit bedeuten will. Indessen vermag der Staat doch auch nur dadurch die Allheit zu bedeuten, daß er konzentrisch dem Staatenbunde der Menschheit eingeordnet ist. Das aber ist der Sinn der Religion der Propheten, und darauf beruht der Fortbestand des Judentums, daß es den Staatenbund der Menschheit verbreitet in der messianischen Idee der vereinigten Menschheit. Es ist nicht die Anhänglichkeit an einen Stamm und an eine tausendjährige geschichtliche Besonderheit, welche das geschichtliche Rätsel von dem Fortbestände des Judentums zu erklären vermöchte, sondern es ist die Kraft der Ueberzeugung, daß eine Art von wahrhafter Allheit durch diese geschichtliche Idee vertreten wird. Aus dieser Allheit stammt die Ehre, die der Jude aus seiner Religion für sein Selbstbewußtsein