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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 28

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1905-01-01
Page
Seite 28 (sequence 13)
Language
German
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28 diesem Jahre ist ja unter unfern Schulmännern ein heißer Kampf darüber entbrannt, ob die sicheren Resultate der Bibelkritik nicht auch im Unterricht, wenigstens für die reiferen Schüler, verwendet werden dürfen. Andererseits haben unsere Gegner ihre Bemühungen fortgesetzt, das Alte Testament aus dem Religionsunterricht zu verdrängen. Ein sehr beachtenswertes Wort hat zu dieser Frage ein bekannter protestantischer Theologe Professor Baum garten inKiel, ausgesprochen. Seine Absicht ging dahin, „trie uns entgegengetragene Unzufriedenheit und Unruhe in der Lehrerwelt nach Möglichkeit zu beseitigen". Nach seiner Ansicht muß das Alte Testament im Schulunterricht bleiben, weil es die notwendige und unentbehrliche Vorbereitung auf den neutestamentlichen Unterricht bilde. Diese Notwendigkeit kommt allerdings für uns ja nicht in Betracht, wohl aber der zweite Punkt, nämlich die Rücksicht auf die hohe religiös-ethische Bedeutung der Bibel, denn tatsächlich „kann ja das neue Testament, das im wesentlichen auf die Errettung der Einzelseele gestimmt ist, keinen Ersatz bieten für die Familien- und Volkserziehung, welche das Alte Testament in so wunderbarer Weise uns zeigt". Dazu kommt seine pädagogisch-poetische Bedeutung für die ersten Stufen des Kindesalters. Die derbe Natürlichkeit, die Goethe an dem Alten Testament rühmt, die unbefangene Religiosität, die naive Art, in der in ihm die Menschen mit Gott verkehren, sind von unschätzbarem Werte für das Kind. Mit Recht hat man auch die Kenntnis des Alten Testaments für die literarische und künstlerische Bildung hervorgehoben. Seine Plastik und Erhabenheit kommt der Kunst unmittelbar entgegen. Darum darf nichts wesentlich gekürzt werden, sondern es kommt darauf an, die religiöse Betrachtung zu konzentrieren. Ein Widerspruch des Stoffes zur Geschichts- und Naturwissenschaft tritt erst auf den höheren Stufen des Kindesalters hervor. Wo der Wirklichkeitssinn leiden könnte, da muß man natürlich Aufklärung über die Wunderwelt der Bibel geben. Die historisch-kritischen Bedenken kämen erst auf der Oberstufe in Betracht und müssen im einzelnen gelöst werden. Auch hier müsse man das einzelne nicht besonders betonen. Die pädagogischen Bedenken gegen die

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