Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111082-3113589--2014-3113642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
27 genannten: Jacob Horovitz mit einer trefflichen Gegenschrift, A. Tänzer, I. Hirsch, L. Mandel und D. Feuchtwang. Ja sogar eine Dame hat sich mitten unter die streitenden Parteien gewagt, Marta Howe-Peuschel, die in der Klärung des Babel- und Bibelstreites „einen bedeutungsvollen Faktor zur Frauenfrage" erkannt hat und uns die tiefsinnigsten Einblicke in das „Wesen des wahren Judentums, des Semitismus oder Sozialismus" gewährt! Auch einen Bibel- und Babel-Katechismus besitzen wir bereits in fünfhundert Fragen und Antworten für Bibelfreunde. Was will man mehr? Unter solchen Umständen ist der Wunsch eines dieser Autoren, der seiner Schrift den Titel gegeben hat „Friede für Babel und Bibel" wohl zu begreifen. Aber es ist kaum zu hoffen, daß er so rasch in Erfüllung gehen wird. Wie soll man nun aus diesem Chaos das Beste wählen, ohne Jrrtümer, ohne Säumnis, ohne sich in das Chaos selbst zu vertiefen? Die Schrift von S. Ochser über die Bibel und die babylonischen Ausgrabungen empfiehlt sich vielleicht am ehesten noch als Handbuch zur biblisch-orientalischen Altertumskunde. Aber es wäre zu wünschen, daß einer unserer Gelehrten eine Uebersicht über die einzelnen Stadien des Kampfes und über die definitiven Resultate desselben geben wollte. Denn es ist gar kein Zweifel, daß der Streit auch seine guten Seiten hatte und vielleicht einmal gar, was Delitzsch gewiß nicht geahnt hat, auch für uns Früchte tragen wird. Bei den Meisten ist ja nur die Ahnung zurückgeblieben, daß um etwas Großes gekämpft werde, aber das Interesse ist doch einmal angeregt und wird sobald nicht wieder erlahmen. So kann man es nur dankbar begrüßen, wenn Fachmänner weiteren Kreisen zeigen, wie viel gerade durch diese Ausgrabungen und Entdeckungen von dem Inhalt der Bibel bestätigt worden sei, und wie oft eine schnelle Kritik und ein voreiliges Urteil durch die historischen Tatsachen selbst zu Nichte gemacht werden. Die protestantischen Theologen haben wie immer zuerst die Bedeutung dieses Faktors erkannt, und man kann jetzt schon in einem fort von Vorträgen lesen, die sie über dieses Thema halten. Darüber hinaus hat aber auch die Frage für den Schulunterricht eine große prinzipielle Bedeutung. Gerade in