Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 14)
- Language
- German
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29 Verschleierung der Kritik beruhten zum großen Teil auf der Pedanterie der Lehrenden, die nicht mit den Kindern kindlich zu denken und zu fühlen vermögen. Takt und große Liebe zur Religion und zu den Kindern wird alle Schwierigkeiten überwinden. Bei der Behandlung der Wundergeschichten handle es sich darum, den poetischen Wert an Stelle des historischen recht zu erfassen und sie als die poetische Projektion auf religiöse und sittliche Wahrheiten zu lassen. Man kann über diese Punkte im einzelnen streiten, unsere Stellung zur Bibel ist ja wesentlich eine andere, im großen und ganzen wird man ihre volle Berechtigung zugestehen müssen und aus dieser Art der Auffassung manches lernen können. Unter den Kämpfern für und gegen Delitzsch steht aber so ziemlich die Tatsache fest, daß weder jetzt noch überhaupt die Auffassung von der Weltgeschichte durch die Erforschung Babylons von Grund aus verändert werde, und daß eigentlich die Windstöße, die von jener Seite gegen die Bibel heranbrausen, deren Stamm nicht zu knicken und deren Herzwurzel nicht los zu reißen vermögen. Es war ja von vornherein falsch, die Sache der Bibelkritik immer und immer wieder in die Frage der Babel-Bibel-Forschung hineinzumischen, da dies die Reinlichkeit der Untersuchung stören und deren Objektivität nicht günstig beeinflussen konnte. Nichtsdestoweniger steht die ganze Produktion dieses Jahres unter dem Bann jener Frage. Von Einzelschriften auf diesem Gebiete verdienen besondere Erwähnung die Ausgaben der Genesis von Benett und von Driver, die neuen Ausgaben der Kommentare zu Numeri von Baentsch und Holzinger, der eine in Nowaks, der andere in Martis Handkommentar zum Alten Testament. Besonders reichhaltig ist in diesem Jahre die Literatur über den Psalter. Ich nenne in bunter Reihe die Schriften von I. Achelis: Der religionsgeschichtliche Gehalt der Psalmen, Thirtle über die Aufschriften der Psalmen, ferner Ausgabe und Übersetzung von Cheyne, der gar einige Psalmen in die Zeit der nordarabischen Verfolgungen versetzt, von D'Eyragues, der den Psalter vom katholisch-christologischen Standpunkt betrachtet.