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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1905-01-01 · 8 (1905) · p. Seite 26

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
8 (1905)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1905-01-01
Page
Seite 26 (sequence 11)
Language
German
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26 dieses Rückblicks den Verdacht schöpfte, Delitzsch sympathisiere mehr mit Israels Gegnern als mit dessen Freunden. Nachdem Delitzsch den Juden den Vorwurf der Uebertreibung gemacht, sagte er: „Der Gipfel solcher Hyperbel würde es sein, wenn sich bestätigen sollte, was die amerikanischen Blätter übereinstimmend berichteten, daß der Großrabbi der Vereinigten Staaten sich an Seine Majestät unfern Kaiser gewendet habe, mit der Anklage, daß „Babel und Bibel die Schuld trage an dem Blutbade von Kischinew". Man konnte nur annehmen, daß jemand Delitzsch zum besten gehabt hatte. Denn wie ein ernsthafter Forscher derartiges ernsthaft niederschreiben kann, ist geradezu unerfindlich. Abgesehen davon, daß die Behauptung „wie die amerikanischen Blätter übereinstimmend berichten" mit aller Entschiedenheit in Abrede gestellt wurde. Delitzsch sagte endlich, daß ihn Chamberlain als „Semitomanen" angreife und die „jüdischen Organe" ihn „des Antisemitismus zeihen", daß die Wahrheit aber in der Mitte liege. Es ist allerdings zu befürchten, daß Delitzsch, wenn er sich in der bisherigen Weise weiter entwickelt, diese Mitte rasch verlassen und auf seinem Wege nach rechts gar bald mit Chamberlain Zusammentreffen wird. Ja, es ist nicht unmöglich, daß als Dritter im Bunde Harnack sich auf diesem Wege mit den Beiden vereinigt. Denn ihr Ziel ist im Grunde das gleiche: Die Lostrennung des Christentums von seinem biblisch-jüdischen Untergründe. Ob sie es erreichen werden, ist allerdings eine andere Frage. Man kann sich nun wohl denken, welchen Sturm diese neue Schrift wieder entfesselt hat. Ich zähle in diesem einen Jahre nicht weniger als 30 Schriften auf, die gegen Delitzsch sprechen, wahrend ich kaum 4 oder 5 kenne, die entschieden für ihn eintreten. Manche Autoren erscheinen bereits zum dritten, ja einzelne sogar zum vierten Mal mit Widerlegungen seiner Hypothesen. Ich nenne nur in bunter Reihe die Namen der einzelnen: Budde, Grimme, Sommer, Dietrich, Keil, Fuchs, Heyn, Gasser, Voelter, Giesebrecht, Schieler, Jeremias, Kittel, Homburg, Reimarus, Koeberle, Eibach, Schwarzkopf, Zimmern, König, Bevir, Wegener, Nickel, Weber, und von jüdischen Gelehrten, außer den bereits im vorigen Jahre

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