Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 10)
- Language
- German
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25 christlichen ReligionZschriften, aus unserer Christenbibel alles^ was selbst für das jüdische Volk niemals anderen als literarischen Wert besessen hat, und was selbst für das Judentum der christlichen Zeit nur noch geschichtlichen und archäologischen Wert besitzt! An echt goldenen Sprüchen voll religiöser Tiefe und sittlichen Ernstes und kostbarer Lebensweisheit verbleibt dem alttestamentlichen Schrifttum immer noch ein großer und wertvoller Schatz." Und dabei verbat er es sich energisch, mit den Radikalen zusammen genannt zu werden, die gegen das Alte Testament anstürmen, um es aus seiner weltgeschichtlichen Position zu verdrängen. Und er verlangte von seinen jüdischen Gegnern, daß sie nur „auf Grund wirklicher Sachkenntnis" ihm in Zukunst entgegentreten. Nun, was das Verständnis der Bibelsprache und des Bibelgeistes anbelangt, so hätten seine jüdischen Gegner an ihn die gleiche Bitte — und vielleicht mit größerer Berechtigung — richten können. Recht traurig war es aber, daß Delitzsch in seinem Zorn sich zu Aeußerungen Hinreißen' ließ, die kein objektiv Denkender billigen kann. Wenn er gegen die Theologen im allgemeinen wegen der „Verbalinspiratiön" ankämpfte, wenn, er auf seine rationalistische Erklärung des Offenbarungsbegriffes zurückkam, ohne zu erwähnen, daßAndereschon vor mehr als 50 Jahren diesen Begriff genau in derselben Weise definiert haben, wenn er zu behaupten den Mut hatte, die jüdische Theologie halte den göttlichen Charakter der Thora „aus nationalen Gründen" fest, so hat er damit bewiesen, daß er die gesamte neuere Entwicklung des Judentums absolut nicht kennt, und daß er somit gar kein Recht hatte, darüber zu urteilen. Und dabei sprach er von „nationaler Voreingenommenheit" bei seinen jüdischen Kritikern. Mit der Erklärung, er habe über Bibel und Babel, nicht über Babel und Talmud gesprochen, hat Delitzsch übrigens wenig Glück gehabt. Ueberhaupt fand die Kritik, daß fast alle Vorwürfe, die er gegen seine Kritiker erhoben, gegen ihn selbst mehr als gegen jene zu erheben waren, am meisten der der Uebertreibung. Delitzsch wehrte sich schließlich auch gegen den Vorwurf des Antisemitismus. Wir haben allerdings gerade diesen Vorwurf gegen ihn nirgends gelesen. Indes, zu verwundern wäre es steilich nicht, wenn jemand, der ihn nicht kennt, aus der Lektüre