Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 7)
- Language
- German
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22 sind hier zwei Abteilungen zu sondern: Geschichte der hebräischen Sprache, die aber ausgeschlossen ist, weil sie der greise Forscher in einer besonderen Abteilung behandelt hat, und zweitens die Literatur der Juden in anderen Sprachen als der hebräischen und ihr Verhältnis zum Judentum. Aber Steinschneider zieht es vor, die Frage: „Gehören die Schriften der Juden in den verschiedenen Sprachen zur jüdischen Literatur?" anstatt mit abstrakten Theorien indirekt durch einen Abriß der Literatur zu beantworten. Er behandelt zunächst das Aramäische, Chaldäische, Syrische und Samaritanische, zweitens, das Griechische, welches bekanntlich eine der schwierigsten Partien der jüdischen Literatur überhaupt ist, drittens das Persische, viertens das Lateinische, fünftens das Arabische. Dieses allerdings nur kurz, da Steinschneider inzwischen darüber ja eine erschöpfende Monographie hat erscheinen lassen, die ebenfalls aus Vorlesungen hervorgegangen ist. Wie wichtig gerade diese Sprache für die jüdische Literatur ist, erhellt aus der Mitteilung, daß in jener Monographie 250 Schriftsteller und 300 Buchtitel aufgeführt werden konnten. Und dieses ganze Schrifttum sollte von der jüdischen Literatur ausgeschlossen bleiben! Von den übrigen orientalischen Sprachen ist wenig zu sagen, destomehr von den lebenden Sprachen. Ungewöhnlich interessant im Ganzen wie in den einzelnen illustrierenden Bemerkungen ist das, was uns Steinschneider über das Italienische, Spanische und Portugiesische, Französische und Deutsche mitzuteilen hat. Hier kommt er auch auf den Jargon zu sprachen und macht dabei folgende Bemerkung: Ein Jargon ist kein natürlich und lokal sich entwickelnder Dialekt, sondern ein trauriges Produkt von Ausschließung aus dem Kreise der Gebildeten. „Selbst der Ausdruck eines poetischen Gemütes kann im Jargon nur Mitleid, nicht Bewunderung erwecken." Jargon ist niemals „schön". Mit diesem Kapitel schließt die Einleitung ab, soweit sie bis jetzt vorliegt. Es folgt, aber noch eine Hauptabteilung, nämlich die encyklopädische Entwickelung der einzelnen Fächer der jüdischen Literatur. Gerade hier schöpft ja der Altmeister aus dem Vollen. Wir aber dürfen es als ein Glück betrachten, daß es