Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 5)
- Language
- German
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20 geistigen Bestrebungen und geistigen Richtungen der Bekennen des Judentums als solcher und Angehöriger der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck gelangen. „Die Sprachen, in denen die Werke der jüdischen Literatur verfaßt sind, sind eben die Sprachen, welche neben dem Hebräischen zum Vehikel des jüdischen Geistes geworden sind". Dabei bleibt es und daran wird keine Zeitströmung etwas ändern können. In diesem Sinne hat auch Steinschneider, wie er ausdrücklich bemerkt, seine bereits oben erwähnte Einleitung in die jüdische Literatur des Mittelalters gehalten. Diese Einleitung ist aus Vorlesungen entstanden, die er in der ältesten jüdischen Lehranstalt, in der Beitel Heine Ephraim-Stiftung, in den Jahren 3 859—1897 gehalten hat. Es war seine erste Vorlesung,-die er 1896 so ausgearbeitet, wie sie jetzt der Oeffentlichkeit übergeben wird. Es kann für die Lesen gewiß nur von hohem Interesse sein, den Spuren dieses Geistes zu folgen, und ich will deshalb ein kurzes Resümee der bis jetzt erschienenen Teile dieses Werkes hier geben. Steinschneider eröffnet dieses mit einigen orientierenden Bemerkungen. Er legt seiner Darstellung folgende allgemeine Gesichtspunkte zu Grunde. I. Nationalität oder Rassenverhältnis, II. Geographisches, III. Religiöse Entwickelung, IV. Politisches, V. Kultur, und zwar: Schönes, Gutes, Wahres. VI. Sprache, VII. Encyklopädische Entwickelung einzelner Fächer, Kampf um Wissenschaft und Haggada. Es ist interessant, daß auch er an die Spitze seiner Betrachtungen die Frage stellt: „Sind die Juden im Mittelalter als Nation zu betrachten?" Freilich darf die Beantwortung dieser Frage nicht von modernen Begriffen beeinflußt sein. Nach seiner richtigen Definition läßt sich die Nationalität auf drei Momente zurückführen. Erstens, auf die Abstammung, zweitens, auf Vaterland und Gesetz, drittens, auf die Sprache. Davon hat sich das erste Element gerade im Mittelalter reiner erhalten als in Palästina selbst zur Zeit des zweiten Tempels, wie uns das Buch Esra lehrt. Vaterland und Sprache waren nur ideell vertreten. Ersteres durch die Messias-Idee, letztere durch Ritus und Literatur. „So entsteht ein eigentümliches Zwitterwesen, eine Art Amphibienleben, woraus das Wesen und die Entwickelung abzuleiten sind." Sehr kurz