Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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18 vorhergehenden Fassungen, welche derselbe von Männern wie Zunz und Steinschneider erfahren hat? Ich glaube, daß die Antwort aus diese Frage in der kurzen, aber sehr klugen Bemerkung Steinschneiders liegt, die ich zuletzt citiert habe, und seine Andeutung, daß das Judentum ein Ganzes bilde, welches mit dem Namen Religionsgenossenschaft nicht erschöpfend, mit dem der Nationalität nur annäherungsweise bezeichnet Werden kann, erklärt den Ursprung wie den Verlauf dieser Debatte in einer Zeit, in der auch' im Judentume (nach berühmten Mustern) der Nationalismus seine üppigsten Blüten treibt. Was ist nun aber die Frucht dieser Debatte? Die Frage ist für unsere literarische Jahresrevue ja von entscheidender Bedeutung und muß deshalb hier ausführlich besprochen werden. Nach meiner, und wie ich wohl annehmen darf, auch nach der Meinung der Meisten, die mit irgend welcher Sachkenntnis an die Prüfung dieser Frage herangetreten sind, ist Professor Wilhelm Bacher in diesem Kampfe der Sieger geblieben: Seine Antwort auf die Frage: „Was ist jüdische Literatur?" (die in der Jewish Quarterly!Review Bd. XVI No. 62 aufgeworfen wurde) ist streng sachlich und erschöpfend. Mit scharfsinnigen Argumenten hatte es kurz vorher ein Anderer unternommen, den Begriff und Umfang der jüdischen Literatur näher zu bestimmen und war dabei zu Ergebnissen gelangt, die man sehr milde bezeichnet, wenn man sie paradox nennt. Darnach gehörten zur jüdischen Literatur nur solche Werke, die, sei es durch Juden oder durch Nichtjuden, in hebräischer Sprache über welchen Gegenstand immer geschrieben wurden. Was in anderen Sprachen von Juden und über Judentum geschrieben wurde und wird, dürfe zu dem unter dem Namen „jüdische Literatur" zusammengefaßten Literaturgebiete nicht gerechnet werden. Nur zwei Ausnahmen wurden gnädig zugelassen, welche diese von dem Merkmal der Sprache ausgehende Definition durchbrechen; die eine betrifft natürlich den jüdisch-deutschen Jargon, der von den Nationalisten in unserem Lager ja jetzt so stark protegiert wird. Die in diesem Dialekt verfaßten Schriften sollen, wenn sie in hebräischen Buchstaben geschrieben oder gedruckt sind, auch als jüdische Literatur gelten. Man scheint also diesen Jargon