Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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17 äußere Aufmunterung an der Ausbildung des menschlichen Geistes Anteil genommen und in den noch lange nicht gebührend erkannten Schätzen dieser Tätigkeit liegt ein Reichtum aller Jahrhunderte und ein Vorrat der mannigfaltigsten Erzeugnisse verborgen. Nationale und fremde Weisheit gehen in derselben einen Gang ununterbrochener Entwickelung und man kann sie in neun Perioden teilen." Fünf Jahre später hat Moritz Steinschneider seinen weltberühmten Essay über jüdische Literatur in der Allgemeinen Encyklopädie der Wissenschaften und Künste von Ersch und Gruber veröffentlicht und dort eine scharf umrissene Definition des Begriffes gegeben, die so zutreffend ist, daß wohl kaum je eine bessere wird gegeben werden können. Es heißt dort im § 1: „Die Literatur der Juden im weitesten Sinne begreift eigentlich alles, was Juden von den ältesten Zeiten an bis auf die Gegenwart, ohne Rücksicht auf Inhalt, Sprache und Vaterland, geschrieben haben. Sie umfaßt demnach die hebräischen, chaldäischen und griechischen Schriften der Bibel und der Apokryphen, die neuhebräische (nachbiblisch-hebräische) Literatur durch zwei Jahrtausende, aber auch die Schriften der Juden in den Sprachen der alten Welt, welche in verschiedenen Perioden das Hebräische ersetzten oder gar verdrängten." Diese Definition ist klar und verständlich. Wenn sie nicht so präcis ist, wie man es wünschen möchte, so liegt die Schuld wahrlich nicht an dem, der sie gegeben, sondern an den eigentümlichen und unüberwindlichen Schwierigkeiten, die im Wesen der Sache liegen und die Steinschneider wieder sehr klar in demselben Paragraphen ausgesprochen hat: „In diesem Durchgang durch so viele Länder, Sprachen und Materien liegt eine, die Auffassung und Würdigung besonders erschwerende Eigentümlichkeit; gewiß bilden aber diese anscheinenden Aggregate von Schrifttum einen stetigen Organismus, insofern die Träger desselben ein eigentümliches Ganzes bilden, welches mit dem Namen: Religionsgenossenschaft nicht erschöpfend, mit dem der Nationalität nur annäherungsweise bezeichnet ist." Wie war es nur möglich, so fragen wir noch einmal, daß fünfzig Jahre später sich eine Debatte über den Begriff entspinnt, die so gut wie gar keine Rücksicht nimmt auf die 2