Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 8 (1905)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5664
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Juden den Zutritt zu den militärischen Befehlsstellen verschlössen. Aber merkwürdig, daß trotzdem kein Jude, auch nicht der tauglichste, mit den besten militärischen Zeugnissen versehene, zu solchen zugelassen wird. Hier eröffnet sich dem Verband der deutschen Juden eine weite Bahn der Tätigkeit. Ebenso wenig werden Juden, trotz allgemein anerkannter wissenschaftlicher Begabung und langen Wartens, zu Professuren an den Universitäten befördert. Daß sie schwache Aussicht besitzen, eine ordentliche Professur zu erlangen, ist leider schon zur Gewohnheit geworden; neuerdings versagt die preußische Unterrichtsverwaltung den Juden selbst die außerordentliche. Man speist sie mit dem leeren Professortitel ab, der jetzt in so ungeheurer Fülle verteilt wird, daß er jedes Ansehen verloren hat. Eine Reihe angesehener jüdischer Gelehrter hat deshalb ihre Dozentur niedergelegt, aus Entrüstung und Scham über die Behandlung, die chnen zuteil wird. Alle diese Vorgänge müssen einmal systematisch und in authentischer Form vor das Forum der Oeffentlichkeit gebracht werden. Solche Beispiele von oben ermutigen selbstverständlich den Antisemitismus, den Juden überall, wo es angeht, Verdruß zu bereiten. Mehrere städtische Obrigkeiten haben unter dem unbegründeten Vorwände des Tierschutzes in ihren, mit lokalem Schlachtzwang ausgerüsteten Schlachthäusern das Schächten nach jüdischem Ritus untersagt. Der Verband deutscher Juden hat, wie erwähnt, eine umfassende Aktion begonnen, um durch gesetzgeberische Maßregeln solche Akte der Intoleranz für die Zukunft unmöglich zu machen. Wenn auch den Radau-Antisemiten, wie dem wahnwitzigen Grafen Pückler - Kleintschirne, das Handwerk gelegt wird, so wirkt doch die von ihnen ausgestreute Saat des Hasses und der Verachtung nach. Ein schuldloser Jude aus Warschau, der Schriftsetzer Levi, ist in Siegers bei Könitz nur aus Bosheit einfach zu Tode geprügelt worden. Das Geschworenengericht hat den einen der beiden Haupttäter sreigesprochen, den anderen zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. So billig wird in jenen Gegenden das Leben eines Juden eingeschätztl