Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Ruth
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 15)
- Language
- German
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261 Wie einst, wenn wohlgefällig ihm mein Thun. Du mein verlorner lieblicher Gefährte, O wüßtest Du, wie einsam dieses Herz, Das einst so selig an dem Deinen schlug! — Und jener ernste Mann, der väterlich. Mit Freundeshuld der Fremden sich geneigt, — Kann ich ihn lieben nicht, wie ich Dich liebte. Darf ich doch seinem Edelmuth vertrauen. Der sich Verlassener gnadenvoll erbarmt. So habe j)etin ^en scheren Gang gewagt. Gott, den ich glaube, hilf Du Deiner Magd! — (Boas erwacht.) Boas (erwachend): Wer trat herein, indeß ich schlief und träumte Von ihr, die ich im Wachen schaue, Und die auch jetzt dem sel'gen Blick erscheint. Als hätte meines Herzens Sehnsucht sie Zu mir getragen, sprich, bist Du es wirklich, Holdselge Ruth? Ruth: Ich bin es, mein Gebieter. 'Laß mich, o Herr, der liebreich mich getröstet. Vor Deinen Augen Gnade finden, breite Den Fittig Deiner Huld ob meinem Haupt. Naemi sendet mich und kündet Dir: Du bist der Erbe unsres kleinen Feldes, Verwüstet liegt's und öde, einstmals doch Gewährt' es Frucht Naemi und den Ihren. So Du uns, Herr, willst hilfreich feixt; mit Fleiß Und Mühe hoffen wohl wir's zu versehen. Und giebt der Himmel Sonnenschein und Regen Zu rechter Zeit, so bringt es Nahrung wohl Mir und der Mutter. Deine milde Hand Thu auf, o Herr, und spende Rettung uns. Daß wir, was Noth thut, schaffen, unsre Hütte, Die ganz verfallen liegt, neu aufzurichten. Und unfern Acker sorglich zu bestellen.