Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Ruth
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 13)
- Language
- German
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259 Sein biedrer Handschlag, seine ernste Freundschaft Mehr, als das wankelmüthig launenhafte Geschlecht der Weiber und ihr leer Geschwätz. Die Reize, die sie schmücken, schienen mir Fallstricke nur für unerfahrene Herzen. Nur Eitelkeit, so wähnte und Gefallsucht, Belebten diese flatterhaften Wesen; Nicht Ernst noch Tiefe wohnte ihnr Brust, Und treulos wären sie, wie Wind und Wellen. Doch dieses Weib in seiner süßen Jugend, So zart und sanft: und doch so sicher ruhend In reiner Tugend, hat das tiefste Herz Mir umgewandelt; immer seh' ich sie. Wie sie die blühende Wange sorglos bot. Das Lockenhaupt dem wilden Sonnenbrand; Gleichgiltig gegen eigene Beschwerden Und ganz verloren in ihr Liebeswerk Für eine Andre, für die schwache Greisin, Die heilig ihr, weil sie den Frühverlornen, Den heißgeliebten Gatten ihr gebar. O Liebestreue, die den Tod, das Grab Dankbar und unvergänglich überdauert. Wirkst solche Wunder Du im Weibesherzen, Lehrst Du an Deine Göttlichkeit uns glauben. Dies Herz, das also liebt, so heiß und groß, In mir erweckt es Liebe grenzenlos! — Joab: Herr, welches Weib, das Du zur Ehe forderst. Wird sich nicht selig preisen; stehst Du nicht In kraftvoll reifer Mannheit, hat Dich Gott Nicht reich gesegnet; Hof und Haus und Felder, Sie prangen, tragen Frucht Dir tausendfach. Nur Eines fehlt in Deines Reichthums Fülle, Die junge Herrin, die sein schönster Schmuck. Herr, wähl" die Moabitin Dir zum Weib, Denn würdig ist sie Dein an Seel' und Leib; Sie hat im Prüfungsfeuer sich bewährt. 17