Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Ruth
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 12)
- Language
- German
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258 Hat er auch Deinen jungen Leib erschaffen. Und wenn der Abend sinkt, so geh' hinab. Verbirg Dich, daß Dein Antlitz Niemand kenne. Und lag're Dich, wenn Nacht die Erde deckt. Zu Boas' Füßen, sagen wird er Dir, Was Du sollst thun, und Freude wird Dir werden. Ruth: Gehorsam, Mutter, wie ich stets Dir war. Will Deine Weisung ich auch heut befolgen. Was Gutes mir hienieden immer werde. Beglückt mich nur, wenn es Dein Herz erfreut. Und schenkt mir Boas Gunst; um Deinetwillen, Du Vielgeprüfte, will ich sie bewahren. Daß ich Dir Deiner Tage jeden kann Selig und sonnig machen! Naemi: Gott mit Dir! — (Ruth geht ab.) VII. Scene. In der Tenne, die Boas gehört. Abendstunde. Boas. Joab. Joab: Dein Angesicht, o Herr, ist mild und fröhlich. Nie sah ich solchen Glanz in Deinen Zügen. Boas: Es ist der Widerschein von jenem Antlitz, Das heut zum ersten Male ich erblickt. Und das mir dennoch so vertraut, so lieb. Als hätt' ich es gekannt seit Kindertagen. Du weißt, mein Joab, daß als Mädchenfeind^ Als Weiberhasser ich den Meinen gelte. Und gern gesteh' ich's ein; bis heutigen Tags War mir der Mann und seine schlichte Art,