Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Ruth
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 11)
- Language
- German
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257 Je Deinen Sohn, der mir so theuer war. So zu vergessen, daß dem zweiten Manne Ich mich vermählte? — yiatmi: Ich, des Todten Mutter, Ich selbst will Dich die Wege finden lehren Zu Boas' Herzen, wie's mein Herz mir kündet. Dein Leben, Ruth, soll enden nicht mit Dir, Dein edler Sinn, Dein opferfreudig Herz, Dein selbstlos rein Gemüth, sie sollen leben, Fortleben herrlich in dem Gottgeschöpf, Dem Du wirst Mutter sein; und alles Leid, Das Gott, der Unerforschliche, mir sandte. Verschwinden wird es vor dem sel'gen Glück, Wenn ich Dein Kind in meinen Armen halte. Wenn ich in ihm die heil'ge Mutter segne! Ruth: Ich will Dein Kind sein, Mutter, andres nicht, Mein Herz begehrt nach keiner Liebe sonst. In Dir ist Frieden mir und Heil beschlossen. Doch komm und nimm, sieh, was ich Vorrath brachte. Es gab mir Boas ja im Ueberfluß. Komm, gute Mutter, sammle Kraft und Muth, Dein Lächeln ist das Labsal Deiner Ruth. Naemi (die Vorräthe zwischen sich und Ruth theilend): Hör' mich, mein Kind, ich will Dir Ruhe schaffen. Daß Dir's soll wohlergeh'n; vernimm denn, Ruth, Die Nachbarinnen haben mir gesagt, Daß Boas heut in seiner Tenne worfelt Und ist's gethan, dort ruht bis Sonnenaufgang. So geh' und bade Dich und salbe Dich, Leg' an Dein Feierkleid, darin Du einst Den Augen meines Sohnes wohlgefielst. Denn schön, wie Deine Seele Gott gebildet, 17