Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Ruth
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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255 Du hier vollbringst, ich ehre Deine That. Hat Deine Mntter mehr der Kinder noch. Dir gleich an Frömmigkeit? — Ruth: Nicht meine Mutter, Nur meines früh verlornen Gatten ist sie. Und dennoch lieb' ich sie, wie nichts auf Erden, Naemi heißt sie. Boas:' Wohl, so kenn' ich sie. Ein biedres Weib; ich lobe Dich, mein Kind, Daß Du ihr also dienst; Du thatest wohl. Daß Du zu Fremden nicht den Fuß gewendet. Naemi's Gatte stammt aus gleichem Blut Wie ich, und Euch Beschützer will ich sein. Du hast Dein Volk, Dein Heimathland verlassen. Die Eltern und Geschwister, alles Theure. So heilig war Dir das Gedächtniß dessen. Den Du geliebt, dem Du als Weib gefolgt. Glaub' mir, der Gott, in dessen mächt'gen Schutz Du Dich begabst und unter dessen Flügeln Du Ruhe suchtest, ist ein Gott der Treue, Und seinen Treuen lohnt er königlich. Wie ich ihn liebe, will ich Dir vergelten. Weil Du so tief begriffen sein Gebot; Den Herrn preis' ich, daß er mich gesegnet. In Dir und Deiner Mutter dien' ich ihm. (Zu den Schnittern.) Laßt dieses junge Weib in Frieden schaffen. Sie sammle ein, so viel das Feld ihr beut. Je mehr sie unsrer vollen Aehren liest. Um so zufriedner bin; Segen bringt Ihr holdes Thun der Flur, die sie betritt, Drum nehmt nicht Alles, laßt nach Lust sie ernten! Und sinkt der Tag, an meiner Seite rasten Soll Ruth, die Moabitin, und das reichste. Das schönste Mahl soll laben und erquicken