Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Ruth
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 5)
- Language
- German
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251 Naemi: Kennst Du mich nicht mehr, gute Sarah, sprich, Wohl kannt' ich Dich in Deiner Jugend Tagen, Und so auch Dich, Jerusa, Thirza, Dich. . (Die drei Frauen bestürzt.) Sarah: Die Hütte ist es Eli-Melech's, wißt. Er zog dereinst iu's Land der Moabiter, Mit ihm sein Weib und seine Söhne beide — Thirza: Sein Weib, Naemi hieß sie, groß und stark Und schön war sie, und Du — doch Deine Stimme — Jerus a: Sie ist's, es ist Naemi, doch wie krank. Wie gramgebeugt, ergraut, gebleicht von Thränen — Naemi: Ja wohl bin ich's, einst Eure Jugendfreundin, Gespielin und Gefährtin Eures Glück's. Wohl Euch, daß Ihr verarmt nicht und beraubt Gleich mir, die Tage Eures Alters schaut. Naemi bin ich nicht mehr, Mara nennt mich. Die tief Betrübte; reich einst zog ich aus. Leer und verlassen kehre ich zurück. Doch nein, ich will nicht klagen; Eines blieb mir. Und dies wiegt tausendfach Verlornes auf. Seht hier, dies junge Weib war meines Sohnes, War Mahlon's Gattin; Ruth ist sie genannt. Ein moabitisch Weib; sie ist das Letzte, Was mir das harte Schicksal übrig ließ. Das Gatten, Söhne, Reichthum mir entrissen! — Sie blieb mir treu, sie folgte mir in's Elend. Ihr liebreich Herz ist Stütze mir und Stab! Sarah (zu Ruth): Bist Du so fromm, ein Kind der Moabiter,