Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Ein Schwächling
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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225 grauen Hose, aber in kein so nobles wie ihr. Mir sind die Künstler egal, und mir ist zuwider, von Sachen reden zu hören, die ich doch nit versteh." „Und Du, Gabriel, gehst mit?" fragte in einer Anwandlung von Gutmütigkeit einer der Künstler. „Ja freilich, der Gabriel," sagte rasch und höhnisch der Graubehoste, „der Gabriel, das ist der Wahre, der in's Wirtshaus geht! Der Jud' vertragt ja nix. Ich thät'n auch gar nicht mitnehmen wollen an Euerer Stell, mit seiner trübseligen Physiognomie, die mir beim sechsten Krügel schon ohne ein Wort zu reden sagt: Franz, Du bist ein-" „Ich kann nicht soviel trinken wie Sie Alle, sagte der mit Gabriel angesprochene junge Mann, als gälte es, eine beschämende Anschuldigung zurückzuweisen, „und mein Wochenlohn ist auch so gering, daß ich-" „Möchtest wohl gern so viel bekommen wie wir, damit Du nebstbei „e Geschäftche" betreiben kannst," äffte der erste Künstler. „Auch wenn's nicht ganz sauber wär," ergänzte voll moralischen Behagens der Zweite. Gabriel stieg eine rasche Blutwelle in's Gesicht. „Ich Hab' in meinem Leben noch kein unsauberes Geschäft betrieben, aber wenn der Herr Straubinger mich bezahlen würde, wie sich's gehörte, dann würde ich mein Geld auch nicht vertrinken, sondern zu meiner Ausbildung verwenden." „Da seh einer den Juden an, wie der auf einmal das Maul voll nimmt." „Der Duckmäuser thut immer, wie wenn er nicht Drei zählen könnte. — Ich sag's dem Meister, daß der Jud austrompetet, er thät seine Arbeiter schlecht bezahlen." „Der Meister hat ohnedies einen Pick auf Dich, paß' auf, morgen fliegst' zum Tempel 'naus." „Bis nach Jerusalem!" Allgemeines Gelächter belohnte den köstlichen Witz und beendete das Gespräch der Gesinnungsgenossen. „Adieu Pepi. Adieu Poldi!" Für Gabriel, der nur unter der Thoreinfahrt stehen geblieben war, weil er nicht den Mut gehabt hatte, als Erster 15