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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 220

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Ein Schwächling
Date
1902-01-01
Page
Seite 220 (sequence 11)
Language
German
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220 „So, so bläst der Wind daher! Also die Tochter des Musikanten ist es, die Dir allerlei schöne Künste Vormacht und Dich lehrt und in ihre Netze locken will, um eine Seele für die alleinseligmachende Kirche zu gewinnen! Niederträchtige Schlange! UndDu,hast Du vergessen, daß geschrieben steht: „Ihr sollt Euch keine Bilder machen, von fremden Göttern," und bist Du schon so durchdrungen von dem Gift, daß Du eingesogen, daß Du mir mit frecher Stirn sagst. Du hättest einen Gott gezeichnet. Hast wohl gar schon niedergekniet vor den Altären jener, deren Sinne durch den Geruch des Weihrauchs betäubt und verwirrt werden, und die sagen: „Gott ist Mensch geworden, Gott der Einzigeinige sei Dreigestalt!! Weh' mir, weh' mir; lieber wollte ich, Du hättest nie das Licht der Welt erblickt, als daß ich an meinem Kinde erleben mußte, daß es abtrünnig geworden an der Lehre seiner Väter." Und der Alte schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen und weinte in bitterem Schmerze. „Vater, Du thust Magdalenen Unrecht, und mir auch. Es ist ihr nicht eingefallen, mich für ihre Kirche gewinnen zu wollen, und mir nicht, unserem Glauben abtrünnig zu werden. Sie lehrte mich blos so viel des Schönen kennen, davon in unserer Schule nie gesprochen wird, und lehrte es mich nachbilden; das kann kein Unrecht sein, Vater, weder gegen Gott, noch gegen die Menschen. Gott hat die Schönheit geschaffen, Gott hat mir ein Talent gegeben, erlaube, daß ich es pflege, damit es gedeihe, daß ich ein Künstler werden kann, und gottbegnadet, nicht gottlos wird man mich nennen." Woher der Knabe nur plötzlich den Mut genommen, auszusprechen, was er bisher kaum zu denken gewagt! Er schien gewachsen, größer und älter geworden in dem Momente, da er beschwörend dem Vater die Hände entgegenstreckte, und dieser blickte ihn auch jetzt an, wie eine ffemde Erscheinung aus einer fremden Welt. „Jst's Gabriel, der zu mir spricht; meine Kind, das unter meinen Augen ausgewachsen, das ich gehütet und gepflegt? Nein, das ist mein Gabriel nicht! —" „Und Künstler willst Du werden," sprach er weiter, indem der Zorn in ihm zu neuer Glut entflammte. — „Künstler!

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