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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 206

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1902-01-01
Page
Seite 206 (sequence 48)
Language
German
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206 Wort ist ärmer als der schriftliche Ausdruck, aber ein Blick, eine Bewegung ersetzt alle Beredtsamkeit, wo man die Wahrheit der Empfindung aus den Zügen lesen kann, bedarf es des Dolmetschs der Sprache nicht. Und so würde Ihnen wohl wärmer werden ums Herzwenn die schöne Zahl Ihrer Verehrer und Freunde mit dem Strahl der Liebe, der aus dem Auge dringt, Ihr stilles Heim durchleuchten würde. Mir ist es nicht gegönnt, am morgenden Tage vor Sie hintreten zu können, aber so weit als Wärme des Gefühls sich festhalten und ausdrücken läßt, möchte ich diesen Zeilen Alles mitgeben, was ausgesprochen und unausgesprochen bei diesem Anlasse mich bewegt. Ich würde nicht aufrichtig fühlen, wenn mich nicht die volle Tiefe des Schmerzes erfüllte, in den die Erinnerung, die ewig wache, sie versenken wird. Lassen Sie mich davon schweigen; das Beste bleibt besser ungesagt. Und da wir in unserer menschlichen Ohnmacht nun einmal das Wünschen nicht lassen können, so "wünsche ich Ihnen Freiheit von den Anfechtungen und den Beschwerden des Alters, das Ihnen nur die Ruhe und Klarheit des Geistes ohne die Leiden und die Schwäche des Leibes bringen möge. Ich bin seit dem 4. August in meinem theuren Elternhause, dem es eine besondere Weihe ist, daß ich in der ersten Woche meines hiesigen Aufenthaltes ein so weihevolles Erinnerungsfest begehen kann. Empfangen Sie den Ausdruck liebevoller Verehrung von Ihrem treu ergebenen David Kaufmann. Kojetein (Mähren), 9. August 1878. Zunz notirt am Rande: beantw. 12. August. 52. Zunz an Kaufmann. Von den vielen Briefen, die ich vorgestern erhalten, ist der Ihrige der zweite, den ich heute beantworte: ich fühle den Werth Ihrer trostreichen Worte, ich schätze die mir gewordene Anerkennung sehr hoch: aber kann sie Tote erwecken? Kann sie, was ich am 18. August verloren, am 10. mir wieder bringen? Das neugebackene 1רשעות) verlache ich: da die Juden durch die Kreuzzüge und die Pfaffen nicht vertilgt wurden, werden einige deutsche Schmierer und rumänische Narren auch nichts ausrichten. 1) Anm. Nr. 3, S. 203.

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