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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1902-01-01 · 5 (1902) · p. Seite 198

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
5 (1902)
Article
Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
Date
1902-01-01
Page
Seite 198 (sequence 40)
Language
German
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198 noch vor meiner Predigt, war er mir zugekommen und hob meine Festesstimmung noch, bevor ich seinen Inhalt erfuhr, schon durch die bloße Thatsache seines Eintreffens. Wie glücklich wäre ich gewesen, heitere Mittheilungen darin anzutreffen. Mögen Sie nächstens wenigstens nicht über körperliche Beschwerden zu klagen haben. Wenn es Ihnen nur noch einmal möglich wäre, die Tröstungen der Arbeit zu erfahren! Wer noch so frisch zu schreiben im Stande ist, wie es Ihre letzte, in so viele Blätter übergehende Notiz zeigte, der hat noch das Mittel, sich zu beruhigen, wenn nur die Kraft dazu vorhanden ist. Brockhaus theilt mir zwar mit, daß eine neue Auflage der deutschen Briefe nicht für den Augenblick Veranstaltet werden könne; würden aber Ihre Nachträge nicht ein besonders Heft, eine zweite Lieferung ergeben? Hier ist wieder ein neues Taubstummeninstitut eingeweiht worden, wie es in gleicher Pracht vielleicht keine andere jüdische Gemeinde aufweist. Das Haus hat 300 000 Fl. gekostet. Für ihre Krüppel haben die Juden noch Geld, das muß man zugeben. Jetzt fehlen nur noch jüdische Tollhäuser, da es ja für alle übrigen Gebrechen bereits ausnehmend jüdische Heilanstalten giebt. Nur der arme Krüppel: Jüdische Wissenschaft, der mit seinen Krücken die Schranken der Unduldsamkeit einreißen geholfen, hat noch kein Haus, in das er unterzubringen wäre, denn die Seminarien sind wohl Pflanzstätten jüdischen Wissens, aber mehr um der Praxis als um der Sache selber willen. Wie gründlich" doch diese Deutschen sind: Wenn sie einen Befehl mißverstehen, dann kostet es 300 Menschen oder noch mehr und 18 Millionen — müßte man nicht auf gut preußisch eigentlich umgekehrt sorgen? — Wenn sie auf ihren Kaiser schießen, so thun sie es gleich mit 40 Kugeln und darüber. Wenn Hödel, Nobiling und Kullmann — nicht zu vergessen — zufällig Juden gewesen wären, so wären nach der jetzt im Deutschen Reich herrschenden Logik der Thatsachen die Juden allesammt ausgetrieben worden. Hier haben übrigens diese Thatsachen in weiten Kreisen und trotz der Verstimmung gegen Preußen eine tiefe Bewegung hervorgerufen. Doch — soeben werde ich wieder von einer Menschenmäklerin gestört, die mich glücklich machen möchte — was interessirt Sie der ״Könige Hassen und Lieben"? Und doch sind Sie mir nicht aus dem Sinn gekommen, als ich jene Schreckensnachricht las. Die Kraft, die einen Menschen von 82 Jahren ein solches Attentat überstehen läßt, ist eine ungewöhnliche, und diese wünsche ich Ihnen, nicht zur Ueberstehung von Attentaten, wozu Sie ihrer nicht bedürfen, aber zur Abwehr körperlicher Leiden. — Jüngst habe ich wieder in Ihren Schriften Stoff zu einer

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