Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 15)
- Language
- German
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173 — 15. Sehr geehrter Herr Dr. Ich antworte rasch, erstlich weil ein Greis nichts aufschieben darf, zweitens weil ich über Karäisches nur wenig weiß und Sie auf Pinsker, Steinschneider und Fürst verweisen muß. Gavison's Fabeln über Bechai, abgedruckt in Ghirondi תולדות גחלי ישראל S. 62, 63 sind längst von Asulai (שם הגחלים s. v.) widerlegt. Ihre mich betreffenden Artikel habe ich in noch anderen Zeitungen gefunden. Zunz-Biographien sind mir nicht bekannt; das Conv.- Lex. hat nur eine kurze Notiz. In keinem Falle reiche ich an Freiligrath hinauf, der ״Detmold's berühmtester Sohn״ ist, wie die Vossische Zeitung vom 24. vorigen Monats verkündet. Der zweite Band meiner gesammelten Schriften fängt erst jetzt an und zwar zuförderst mit den ״Namen der Juden"; schwerlich dürfte darin Ungedrucktes zu finden seyn; es sei denn, daß Correcturen und Zusätze etwa dieser Rubrik angehören. Aber glauben Sie ja nicht, daß Fremdes oder Eigenes meine Trauer verscheuchen und mein Weh lindern können: daß beides nicht in meinen Worten und Briefen zu sehr hervortrete, ist ein Ergebniß von Anstrengung, welche ich den Empfängern meiner Schreiben schuldig bin. Fast ist der Briefwechsel mit Freunden meine einzige Zerstreuung, die mich das (1בבקר תאמר מי יתן ערב dann und wann vergessen macht. Da heute 2ר״ח אל1ל) ist, will ich Sie nicht länger von ernsteren Betrachtungen abzieben und schließe mit dem Wunsche, daß es Ihnen stets so zur Zufriedenheit ergehe, wie es wünscht der Ihnen hochachtungvoll ergebene Berlin, 1. September 1875. Zunz. 16* Sehr geehrter Herr Dr. Da Sie wiederholt von mir Briefe verlangen, so muß ich schon einen solchen versuchen, trotz der Leerheit, die ihm an der Stirn geschrieben ist. In der That übersteigt meine Armuth an Briefftoff die gewöhnliche Vorstellung bedeutend. ״Die große Gesammtheit", für die nach Ihrem Ausdrucke mein Leben ein theures Gut ist, erscheint mir als ein Phantasiebild. Bis heute haben nicht nur Prinzen, Barone, Priester, Soldaten, Beamte, Richter, Kommerzienräthe, Künstler, Seefahrer, Fabrikanten, Schauspieler um mich und meine Bücher sich nicht bekümmert, sondern auch Hand- 1) V. M. 28, 67. 2) Der 1. Elul, mit dem die Mahnung an die ernsten Feste des Monats Tischri beginnt.