Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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- Rashi 1× ep/1002670
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171 er mich einmal in einer Frühstunde zwischen 10 und 12 besuchen will. lieber mein Leben, das eigentlich erst in den Jahren 1818 und 1819 anhebt, kann ich jetzt nichts schreiben, da ich zittere, wenn ich nur Zeilen meiner Adelheid erblicke, die ich seit 1819 gekannt^). Wem die Wahrheit leid thut und wer lieber Märchen als Geschichte liest, dem kann ich nicht helfen: da giebt es in der Gestalt von Priestern, Rabbinern, Wahrsagern u. s. w. Heilkünstler genug. Wem die Wahrheit seine Nationalität und seine Liebe raubt, ist schon vom Teufel besessen, bevor er studirt hat?). Daß die reichen Juden nur für Hospitäler und Waisenhäuser Sinn und Theilnahme haben, habe ich bereits vor dreißig bis vierzig Jahren gedruckt. Mit jeder Frage dürfen Sie an mich herantreten; ob ich jede beantworten kann, das ist allerdings zweifelhaft, zumal bei meinem Lehrsätze, daß wir überhaupt nichts wissen, ja gar nicht dazu fähig und bestimmt sind. Sie verlangen von mir ausführliche Mittheilungen; worüber? Es giebt weder einen Kommerzienrath noch einen Ablaßspender, der ein so einsames Leben führte, als ich. Auch besucht mich niemand, weder Jude noch Christ. Das wird mit der Zeit sich ändern: es dauert nicht zehntausend Jahre mehr, und mein Bild ist in allen Hauptstädten von Australien ausgehängt. Biographien, wie Sie mit Recht solche wünschen, erscheinen erst nach dem Tode der Helden, je später, desto besser: Beweis ist Raschi* * 3). Aus meiner seit sechszig Jahren geführten Correspondenz könnte ein Stückchen jüdischer Geschichte herausgearbeitet werden, freilich müßte sie in ehrliche und fähige Hände gerathen. Ünd nun habe ich genug alte Weisheit — das heißt, was jeder längst weiß — ausgekramt und mit dem Wunsche, daß der Aufenthalt bei den Ihrigen Sie in jeder Beziehung befriedige und aufheitere zeichne ich achtungsvoll und ergebenst Berlin, 21. Juli 1875. Zunz. 14. Geehrter Herr Dr.! Auf zwei freundliche Briefe antworte ich erst, nachdem ein 1) Vgl. S. 168, Anm. 3. 2) Vgl. S. 169, Atun. 1. 3) Die erste wissenschaftliche Biographie Raschi's hat nämlich Zunz selber 1823 in seiner Zeitschrift für die Wissenschaft des Judenthums Bd. I (Einziger) S. 277—384 veröffentlicht.