Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 5 (1902)
- Article
- Mittheilungen aus dem Briefwechsel zwischen Zunz und Kaufmann
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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165 Ihr Wunsch, doch ich aus schweren zu leichteren Tagen übergehen möge, wird schwerlich in Erfüllung gehen; ich bin heute trostloser als am Todestage meiner Adelheid: die baldige Ruhe ist mein einziges Gebet. Wofern Sie mich wieder mit einem Schreiben beehren, sagen Sie mir wohl, wo und wann Sie geboren und ob Sie Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften sind. Möge der Himmel Sie gesund und rüstig erhalten! Achtungsvoll und ergebenst Berlin, 3. November 1874. Zunz. 6. Sehr geehrter Herr! Am 9. v. M. habe ich gleich nach Empfang Ihres Briefes den Nachruf „Adelheid Zunz"i) Ihnen gesandt; allein zu einem Studium, und namentlich zu dem mir ziemlich fremden, Ihrer gründlichen Arbeit über Bachja bin ich noch nicht gelangt, und es dürfte vielleicht die eigentliche Arbeitslust bei mir niemals wiedereinkehren : Der Schlag, der mich getroffen, hat mir in einer einzigen Seele alle Lebensgüter, jede Freude und jede Hoffnung genommen. Von Dr. Gans giebr es ein größeres, ich glaube vierbändiges, Werk über römisches Recht; vielleicht enthält selbiges weitere Ausführungen über jüdische Rechtsverhältnisse. Sie berufen sich auf eine frühere Anfrage oder Briefsendung, von welcher mir nichts erinnerlich ist^). Ich lebe sehr einsam und bekomme weder Menschen noch Zeitschriften zu Gesichte. Wenn Sie demnach trotz meiner kurzen Briefe mich dann und wann mit einem Schreiben erheitern wollen, würde dankbar Ihrer gedenken der Ihnen hochachtungsvoll ergebene Berlin, 23. December 1874. Zunz. 7. Geehrter Herr Dr. Ihre Briefe, von dem Gefühl der Zuneigung oder Anerkennung dictirt, schmerzen mich, da ich dem darin geforderten sowenig zu entsprechen vermag. Ein großes Pack an die Seelige gerichteter Briefe fürchte ich aüfzumachen: Alles, was an sie erinnert, füllt mein Gemüth mit Trauer, mit Thränen meine Augen; über sie oder über mich aus früherer Zeit zu schreiben, bin ich noch außer Stande. Selbst dies „noch" erscheint mir als ein Unrecht. Allein lassen Sie durch diese Schilderung meines Gemüthszustandes sich nie abhalten mir zu schreiben; wenn Sie nur keine schriftstellerischen Leistungen verlangen. 1) Vgl. S. 160, Anm. 1, S. 164, Anm. 2. 2) Vgl. S. 161, Anm. 2 und Brief Nr. 1, S. 162.